BASF hebt die Jahresprognose an – und trotzdem tut sich die Aktie schwer. Der Kurs schloss am Donnerstag bei 48,37 Euro, rund 12 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro aus dem April. Der Grund liegt nicht im abgelaufenen Quartal. Er liegt in der Frage, wie stabil die zweite Jahreshälfte wirklich wird.
Ausgangslage: Bessere Zahlen, vorsichtiger Ausblick
BASF hat die EBITDA-Prognose für 2026 auf eine Spanne von 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro angehoben. Zuvor hatte der Konzern 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen lag mit 2,4 Milliarden Euro deutlich über dem von Vara Research erhobenen Analystenkonsens von 2,1 Milliarden Euro.
Trotz der starken Zahlen warnt BASF selbst vor erheblicher Unsicherheit. Die Entwicklung der Weltkonjunktur im zweiten Halbjahr hängt nach eigenen Angaben stark von den Verhandlungen zwischen den USA und Iran ab. Konkret geht es um die Straße von Hormus und deren Nutzbarkeit für den Handel mit Öl und petrochemischen Rohstoffen.
Die vollständigen Halbjahreszahlen inklusive Details zum Ausblick will BASF am 29. Juli vorlegen.
Die entscheidende Frage: Öffnet sich die Handelsroute wieder?
Der weitere Kursverlauf dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Lage im Nahen Osten entwickelt. Eine anhaltende Schließung der Straße von Hormus würde die Konjunktur deutlich belasten. Eine schnelle Einigung auf eine verlässliche Rahmenvereinbarung würde dagegen Rückenwind verleihen.
Damit hängt die gesamte Bandbreite der neuen Prognose an dieser einen Frage. Ob sich das obere Ende bei 7,7 Milliarden Euro oder das untere Ende bei 6,9 Milliarden Euro als realistischer erweist, entscheidet sich am Verhandlungstisch, nicht im Werk. Der RSI von 49,2 zeigt eine neutrale Zone. Die Marktteilnehmer haben sich noch nicht auf eine Richtung festgelegt.
Bullisches Szenario: Preise und Mengen ziehen an
Für eine Fortsetzung der positiven Entwicklung spricht zunächst die operative Stärke des zweiten Quartals. Der Umsatzanstieg resultierte vor allem aus höheren Preisen von plus 11 Prozent sowie höheren Mengen von plus 7 Prozent. Das deutet auf eine Erholung der Nachfrage und zurückgekehrte Preissetzungsmacht hin.
Ein BASF-Finanzvorstand betonte zudem, die zeitweilige Schließung der Straße von Hormus habe den Konzern bislang nur indirekt getroffen. Sollte sich die Lage stabilisieren, könnte BASF von der bereits verbesserten Preisdynamik profitieren. Analysten erwarten im Schnitt bereits einen Wert am oberen Ende der neuen Prognosespanne.
Auch das Chartbild stützt dieses Szenario. Der Kurs liegt mit 1,69 Prozent Abstand über dem 200-Tage-Durchschnitt von 47,57 Euro – ein Hinweis auf eine intakte mittelfristige Aufwärtstendenz. Zum 52-Wochen-Tief von 41,60 Euro beträgt der Abstand inzwischen 16,27 Prozent.
Bärisches Szenario: Sondereffekte verschleiern das Kerngeschäft
Dagegen steht die von BASF selbst eingeräumte hohe Unsicherheit für das zweite Halbjahr. Der Ergebnissprung im zweiten Quartal war teilweise durch Sondereffekte geprägt. Ein Steuergewinn aus dem Verkauf des Coatings-Geschäfts an Carlyle stützt die neue Prognose. Im zweiten Quartal selbst verzerrte ein Veräußerungsgewinn von 3,9 Milliarden Euro aus demselben Deal das Ergebnis.
Das operative Kerngeschäft zeigt sich damit weniger eindeutig verbessert, als es die Schlagzeilen suggerieren.
Hinzu kommt die Cash-Seite. Der Free Cashflow fiel wegen höherer Kapitalbindung durch gestiegene Rohstoffpreise auf minus 0,2 Milliarden Euro, nach plus 0,5 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Sollte sich der Konflikt um die Straße von Hormus verschärfen oder in die Länge ziehen, dürften höhere Rohstoffkosten die Margen weiter belasten.
Der Kurs preist dieses Risiko bereits teilweise ein: Er notiert 2,70 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 49,71 Euro. Auch die Erholung von 2,26 Prozent auf Sieben-Tage-Sicht wirkt angesichts der zugrunde liegenden Unsicherheit fragil.
Ausblick: Die Geopolitik gibt den Takt vor
Solange keine Klarheit über den Ausgang der Verhandlungen zwischen den USA und Iran besteht, dürfte die Aktie zwischen dem 50-Tage- und dem 200-Tage-Durchschnitt verharren. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 22,39 Prozent deutet auf anhaltend nervöse Kursbewegungen hin.
Setzt sich eine Entspannung der geopolitischen Lage durch, könnte die operative Stärke aus höheren Preisen und Mengen die Aktie in Richtung des 52-Wochen-Hochs von 55,05 Euro tragen. Eskaliert der Konflikt weiter, dürfte sich der jüngste Kursrückgang eher fortsetzen als korrigieren.
Der nächste konkrete Prüfstein sind die vollständigen Halbjahreszahlen am 29. Juli. Dort dürfte sich zeigen, ob sich die vorläufigen Quartalstrends bestätigen – und wie konkret BASF die Risiken für das zweite Halbjahr benennt.
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