BASF- vs. Covestro-Aktie: Schmerzhafter Umbau gegen finalen Zahltag

Während Covestro mit der Übernahme durch ADNOC vor dem sicheren Delisting steht, kämpft BASF mit massiven Kursverlusten und fundamentalen Sorgen um die europäische Wettbewerbsfähigkeit.

BASF Aktie
Kurz & knapp:
  • Covestro-Übernahme erreicht Schwelle für Squeeze-Out
  • BASF-Aktie stürzt nach Kursziel-Kürzungen ab
  • BASF-Dividende gekürzt, Bewertung als Falle gesehen
  • Covestro bietet Stabilität, BASF hohes Risiko

Der 18. Januar 2026 markiert eine historische Zäsur in der deutschen Chemielandschaft. Die Ausgangslage an diesem Sonntag könnte gegensätzlicher kaum sein: Während der DAX-Gigant BASF weiter mit den Folgen der Energiekrise ringt und operativ blutet, biegt der ehemalige Tochterkonzern Covestro auf die Zielgerade seiner Börsenexistenz ein. Hier der erbitterte Kampf um eine Bodenbildung bei 44 Euro, dort das entspannte Warten auf den finalen Scheck durch ADNOC. Anleger stehen vor der Wahl zwischen einer hochriskanten Sanierungswette und einem bürokratischen Endspiel. Wer hat in diesem ungleichen Duell die besseren Karten?

News-Check: Wer dominiert die Schlagzeilen?

Die zweite Januarwoche hat die Weichen für beide Konzerne neu gestellt. Die Nachrichtenlage zwingt Investoren zu einer sofortigen Positionierung.

Covestro: Der Vorhang fällt

Für Aktionäre herrscht seit wenigen Tagen absolute Gewissheit. Nachdem der Ölriese ADNOC die Übernahme für 62 Euro je Aktie eingeleitet hatte, wurde nun die entscheidende Hürde genommen.
* Der Meilenstein: Die Schwelle von 95 % des Grundkapitals ist überschritten. Damit ist der Weg für den sogenannten „Squeeze-Out“ frei – den zwangsweisen Ausschluss der verbliebenen Minderheitsaktionäre gegen Barabfindung.
* Die Reaktion: Die Aktie verhält sich wie ein Anleihe-Substitut. Volatilität? Fehlanzeige. Der Kurs klebt an der Übernahmemarke und spiegelt nur noch die Wartezeit bis zur Auszahlung wider.

BASF: Nackenschläge für den Riesen

Ganz anders die Stimmung in Ludwigshafen. Die Aktie geriet am Freitag massiv unter die Räder.
* Der Abverkauf: Massive Abwertungen drückten den Kurs zum Wochenausklang unter die psychologisch wichtige Marke von 45 Euro.
* Die Gründe: Marktbeobachter strichen ihre Kursziele radikal zusammen – teilweise bis auf 40 Euro. Im Fokus stehen anhaltende Sorgen um das Mengenwachstum und die strukturellen Nachteile des Standorts Europa im Vergleich zur asiatischen Konkurrenz. Während Covestro seinen Exit feiert, steckt BASF tiefer in der Krise als erwartet.

Fundamentaler Härtetest: Substanz oder Spekulation?

Covestro: Das Ende der Kennzahlen

Ein klassischer Bewertungsvergleich läuft bei Covestro ins Leere. KGV oder Dividendenrendite sind für die verbleibende Börsenzeit irrelevant. Es zählt einzig die Höhe der Barabfindung.
* Das Kalkül: Wer jetzt noch hält, spekuliert nicht auf operative Gewinne, sondern auf ein Bewertungsgutachten. Oft liegt der endgültige Abfindungspreis im Squeeze-Out leicht über dem ursprünglichen Übernahmeangebot.
* Der Haken: Bis das Geld fließt, ist das Kapital gebunden. Das Risiko nach unten ist durch die 62 Euro faktisch abgesichert, doch das Aufwärtspotenzial ist auf wenige Prozentpunkte gedeckelt.

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BASF: Die Last der Transformation

BASF kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Es ist der Versuch, einen Tanker während voller Fahrt umzubauen.
* Die Dividenden-Enttäuschung: Mit der Kürzung auf 2,25 Euro (Prognose 2025) ist der Status als verlässlicher Dividenden-Aristokrat angekratzt. Zwar locken optisch rund 5 % Rendite, doch ist diese nicht mehr in Stein gemeißelt.
* Die Bewertungsfalle: Ein geschätztes KGV von 9 für 2026 wirkt billig. Doch Vorsicht: Wenn die Gewinnschätzungen weiter fallen – wie am Freitag geschehen – verteuert sich die Aktie schnell wieder, ohne dass der Kurs steigt.
* Der Hoffnungsschimmer: Der forcierte Verkauf von Unternehmensteilen (Lacke, Katalysatoren) könnte kurzfristig Cash in die Kassen spülen. Doch reicht das, um die operative Schwäche im Stammgeschäft auszugleichen?

Daten-Duell: Der Status Quo im Januar 2026

KennzahlBASFCovestro
Kurs aktuell (ca.)44,72 €60,70 €
Trend (7 Tage)▼ Bearish (Verlust >3%)▶ Seitwärts / Stabil
Börsen-StatusRestrukturierungSqueeze-Out / Delisting
Dividende (2025e)2,25 €Entfällt (Übernahme)
MarktstimmungNegativ / SkepsisAbwartend / Neutral
HaupttreiberKostensenkungen & ChinaAbfindungspreis
RisikoHoch (Zyklisch)Niedrig (Kapitalbindung)

Charttechnik: Freier Fall oder Nulllinie?

BASF: Alarmstufe Rot
Der Chart sendet fatale Signale. Mit dem Rutsch unter 45 Euro wurde eine wichtige Unterstützung pulverisiert.
* Das Szenario: Der Weg nach unten scheint frei. Hält die Zone um 44 Euro nicht, droht ein direkter Test der Vorjahrestiefs im Bereich 40-42 Euro. Das Momentum ist eindeutig auf der Seite der Bären. Jeder Erholungsversuch wird derzeit abverkauft.

Covestro: Die Flatline
Der Chart gleicht einem EKG-Nullverlauf. Seit der Einigung mit ADNOC schwankt der Kurs nur noch im Cent-Bereich um die Übernahmeregion. Technische Indikatoren sind hier nutzlos – der Kurs wird rein durch die Arbitrage-Mathematik bestimmt.

Wer kauft was? Die Szenarien

Die Anlegergruppen haben sich komplett entkoppelt. Es gibt keine Schnittmenge mehr.

Szenario A: Der Parkplatz (Covestro)

Covestro ist nur noch etwas für Geduldige und Rechenkünstler.
* Die Wette: Man kauft die Aktie, wartet auf das Delisting und hofft, dass Wirtschaftsprüfer einen Unternehmenswert feststellen, der über 62 Euro liegt.
* Das Profil: Ideal für Anleger, die ihr Geld „parken“ wollen und keine Kursschwankungen ertragen. Es ist eher eine juristische Spekulation als ein Aktieninvestment.

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Szenario B: Das fallende Messer (BASF)

Ein Einstieg bei BASF ist derzeit eine Wette gegen den Markt.
* Die Chance: Zieht die chinesische Konjunktur 2026 überraschend an, hat BASF durch den enormen operativen Hebel das Potenzial, schnell Richtung 55-60 Euro zu springen.
* Das Risiko: Die Warnungen vor „Value Traps“ mehren sich. Wer jetzt kauft, greift in ein fallendes Messer. Ohne einen Anlagehorizont von 3 bis 5 Jahren ist das Papier derzeit hochgefährlich.

Fazit: Klare Trennung der Wege

Der direkte Vergleich im Januar 2026 liefert ein eindeutiges Ergebnis: Es findet kein Wettbewerb mehr statt.

Covestro ist Geschichte. Das Unternehmen wird zur reinen Abwicklungsmasse für ADNOC. Die Aktie bietet Sicherheit, aber keine Fantasie mehr. Wer Liquidität braucht, verkauft jetzt. Wer Zeit hat, bleibt bis zum bitteren (oder süßen) Ende der Barabfindung an Bord.

BASF hingegen steht im Sturm. Die Nachrichten der letzten 48 Stunden bestätigen, dass der Boden noch nicht gefunden ist. Mit drohenden Kurszielen von 40 Euro drängt sich ein Kauf nicht auf. Für langfristige Dividendenjäger mag das Niveau verlockend wirken, doch das Risiko weiterer Kursverluste bleibt durch die schwache fundamentale Lage akut.

Das Urteil:
* Covestro: Halten (für Squeeze-Out-Spekulanten) oder Verkaufen (für Liquidität).
* BASF: Watchlist. Abwarten, bis die 40-Euro-Marke getestet wurde oder echte Impulse aus China kommen.

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Über Felix Baarz 1508 Artikel
Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.