Die höhere Risikovorsorge und mögliche Gegenangebote für Permanent TSB begrenzen die Aussagekraft des Gewinnanstiegs bei Bawag. Reuters zufolge lag die heute gemeldete Risikovorsorge mit 79 Mio. € über den Erwartungen. Im Vorjahr waren es 45 Mio. € gewesen; der von Bawag veröffentlichte Analystenkonsens hatte bei 70 Mio. € gelegen.

Damit richtet sich der Anlegerblick nicht allein auf den gestiegenen Gewinn. Entscheidend ist auch, welche Belastungen die Ergebnisentwicklung begleiten und unter welchen Bedingungen der geplante Zukauf in Irland zustande kommt. Reuters zufolge entsprachen die Quartalsergebnisse den Analystenerwartungen insgesamt weitgehend.

Gewinnziel und Kapitalpuffer als Gegengewicht

Bawag erzielte im dritten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 248 Mio. €. Laut Reuters entsprach das einem Anstieg um 13 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Gewinnplus steht damit einer ebenfalls gestiegenen Risikovorsorge gegenüber.

Die heute veröffentlichten Ergebnisse liefern also ein gemischtes Bild: Die Bank verdient mehr, ohne die Erwartungen beim Gesamtergebnis deutlich zu übertreffen. Zugleich fällt die Vorsorge höher aus als von Analysten erwartet. Reuters nannte dies als einen der Belastungsfaktoren für die Aktie, nicht als eindeutig bestätigte Ursache der Kursreaktion.

Für die ersten neun Monate meldete Bawag einen Nettogewinn von 735 Mio. €. Das Unternehmen bestätigte heute sein Jahresziel von mehr als 960 Mio. € für 2026.

Damit hält die Bank trotz der höheren Vorsorge an ihrer Ergebnisplanung fest. Für Anleger bildet diese Bestätigung ein Gegengewicht zu den Belastungen. Sie beseitigt allerdings nicht die Unsicherheit über den noch ausstehenden Abschluss der Übernahme.

Bawag nahm im dritten Quartal außerdem die Dividendenabgrenzung wieder auf. Diese beträgt 3,21 € je Aktie. Nach der Dividendenerfassung lag die CET1-Quote bei 17,1 %.

PTSB-Kauf bleibt an Bedingungen geknüpft

Beim geplanten Erwerb von Permanent TSB laufen die Vorbereitungen weiter. Bawag-CEO Anas Abuzaakouk erklärte dies heute Medienberichten zufolge. Der Kauf bleibt jedoch gerichtlichen und regulatorischen Genehmigungen unterworfen; ein Vollzug ist damit noch nicht bestätigt.

Die Anhörung des irischen High Court ist für den 27. Oktober angesetzt. Als möglicher Abschlusszeitraum gilt das vierte Quartal 2026 beziehungsweise das erste Quartal 2027.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch mögliche konkurrierende Angebote. Reuters berichtete heute, Axis Capital und Scotchstone Capital prüften Gegenangebote. Eine solche Prüfung ist von einem verbindlichen Angebot zu unterscheiden.

Axis erwog laut Reuters einen Preis von 3,20 € je PTSB-Aktie. Dem steht Bawags vereinbartes Angebot von 2,97 € gegenüber. PTSB hatte am 5. Oktober erklärt, Axis habe kein Angebot abgegeben und dessen Ankündigung sei spekulativ sowie an Bedingungen geknüpft.

Für Bawag-Anleger stehen damit zwei Punkte nebeneinander: Das bestätigte Gewinnziel stützt die Ergebnisplanung, während höhere Risikovorsorge und Übernahmevorbehalte die Bewertung erschweren. Der nächste konkrete Termin ist die Gerichtsanhörung. Sie betrifft eine notwendige Genehmigung, nicht bereits den Vollzug des Kaufs.