Bayer strukturiert seine Consumer-Health-Sparte um — mit drei neuen globalen Führungskräften und einem frischen US-Präsidenten. Die eigentliche Aufmerksamkeit der Märkte gilt jedoch einer anderen Baustelle: dem Glyphosat-Rechtsstreit, der die Aktie seit Jahren belastet.

Neue Köpfe für Marketing, Daten und Vertrieb

Samantha Avivi übernimmt als globale Chief Marketing Officer die Markenentwicklung und Verbraucherstrategie. Sie arbeitet von Whippany, New Jersey aus. Analia de la Fuente verantwortet künftig als globale Chief Data Officer Insights und Analytics — mit Dienstsitz in Basel. David Tomasi wechselt vom US-Präsidenten-Posten in die Rolle des globalen Chief Commercial Officers und steuert nun alle Märkte.

Bayer nennt als Ziel, Entscheidungen schneller zu treffen und die kommerzielle Umsetzung zu verbessern. Die Division umfasst Marken wie Aleve, Alka-Seltzer und Claritin. Intern läuft das unter dem Schlagwort „Road to Billions“.

Glyphosat: Milliarden-Vergleich, offenes Urteil

Operativer Umbau ist das eine. Das andere ist der juristische Dauerdruck.

Am 4. Juni lief in Missouri die Opt-out-Frist für einen Roundup-Vergleich ab. Das Abkommen kann bis zu 7,25 Milliarden Dollar kosten. CEO Anderson rechnet damit, dass die Auswertung der Opt-out-Quote noch einige Wochen dauert. Im Juli folgt die Anhörung zur finalen Genehmigung.

Parallel wartet der Markt auf das Supreme-Court-Urteil im Fall „Durnell“. Die Richter entscheiden, ob Unternehmen nach einzelstaatlichem Recht verurteilt werden dürfen, wenn die Bundesbehörde EPA das Produkt als sicher eingestuft hat. Ein positives Urteil für Bayer würde rund 65.000 offene Klagen hinfällig machen. Ein negatives ließe die Klagewelle weiterlaufen.

Neue CFO, alte Schuldenlast

Seit dem 1. Juni führt Judith Hartmann das Finanzressort. Sie folgt auf Wolfgang Nickl. Der Markt verbindet ihren Start mit der Erwartung strengerer Kapitaldisziplin — bei einer Nettoverschuldung von über 32 Milliarden Euro kein unwichtiges Signal.

Die Aktie notiert aktuell bei rund 35,38 Euro und damit knapp unterhalb der 200-Tage-Linie. Seit Jahresanfang liegt das Papier gut sieben Prozent im Minus. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 49,93 Euro aus dem Februar fehlen noch rund 29 Prozent.

Das Supreme-Court-Urteil im Fall „Durnell“ dürfte mehr Kursbewegung auslösen als jeder Personalwechsel. Ein Termin steht noch nicht fest — die Entscheidung wird für den laufenden Gerichtsterm erwartet, der im Juni endet.