Bayer hat mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen übertroffen – und die Analystenzunft reagiert. Der Leverkusener Konzern meldete gestern ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen von 2,144 Milliarden Euro, ein Plus von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und mehr, als der Markt erwartet hatte. Das Unternehmen bestätigte zugleich seine Jahresprognose und verwies auf „entscheidende Fortschritte“ bei der Eindämmung der US-Rechtsrisiken. Die Aktie honoriert das: Sie legt am Mittwoch um 3,64 Prozent auf 50,16 Euro zu, nachdem sie am Dienstag noch bei 48,40 Euro geschlossen hatte. Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro fehlen dem Papier damit noch 6,87 Prozent.
Agrarsparte als Wachstumstreiber
Den größten Ergebnisbeitrag lieferte die Division Crop Science. Deren EBITDA kletterte im zweiten Quartal um 30,2 Prozent auf 902 Millionen Euro, der Umsatz wuchs währungs- und portfolioadjustiert um 3,5 Prozent auf 4,91 Milliarden Euro. Getragen wurde die Erholung vom US-Soja-Geschäft, das nach der Wiederzulassung Dicamba-basierter Herbizide wieder anzog. Die Pharmasparte tat sich dagegen schwerer: Der Umsatz blieb auf Vorjahresniveau, weil Patentabläufe bei Xarelto belasten. Immerhin steuerte das Krebsmittel Nubeqa mit einem Erlössprung von rund 50 Prozent auf 820 Millionen Euro einen kräftigen Gegenpol bei.
Vorstandsvorsitzender Bill Anderson bekräftigte, das Organisationsmodell „Dynamic Shared Ownership“ zur Bürokratie-Reduktion konsequent weiterzuführen. Eine strukturelle Aufspaltung des Konzerns bleibe zwar eine Option, werde aktuell aber nicht priorisiert.
Rechtliche Front beruhigt sich
Für die Anleger dürfte jedoch die juristische Entwicklung mindestens so wichtig sein wie das operative Geschäft. Am 25. Juni hatte der US Supreme Court im Fall „Durnell“ mit 7 zu 2 Stimmen entschieden, dass Bundesrecht Vorrang vor einzelstaatlichen Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise hat – damit entfiel die Grundlage für tausende Glyphosat-Klagen. Am 15. August 2024 zog ein US-Berufungsgericht im Fall „Schaffner“ einstimmig nach und stärkte die Position der Tochtergesellschaft Monsanto gegen einzelstaatliche Warnhinweis-Pflichten weiter. Bereits im Juli hatte Bayer das operative US-Glyphosatgeschäft in der neuen, eigenständigen Einheit „Ruveon“ gebündelt, um Risiken gezielt zu isolieren. Am 19. August steht nun die gerichtliche Anhörung zur finalen Genehmigung des vorgeschlagenen Sammelvergleichs über 7,25 Milliarden Dollar an, mit dem verbliebene Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten in den USA beigelegt werden sollen.
Analysten differenzieren zwischen Chance und Restrisiko
Die frischen Einschätzungen vom Mittwoch spiegeln diese Gemengelage. Die DZ Bank hob ihr Kursziel für Bayer von 54,00 auf 60,00 Euro an und bestätigte die Einstufung „Kaufen“. Analyst Peter Spengler begründet dies mit der operativen Stabilisierung und dem beschleunigten Schuldenabbau. Jefferies-Analyst Michael Leuchten blieb dagegen vorsichtiger: Trotz des EBITDA-Beats beließ er sein Kursziel bei 46,00 Euro und die Einstufung bei „Hold“, da ihm die weiterhin hohe Nettoverschuldung Sorgen bereitet. Zwischen diesen Polen positionieren sich UBS mit einem „Buy“-Rating und einem Kursziel von 62,00 Euro sowie JPMorgan, das die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 50,00 Euro bestätigte und besonders die starke Performance der Agrarsparte hervorhob.
Schuldenabbau bleibt zentrale Stellschraube
Die Nettofinanzverschuldung lag zum 30. Juni bei 33,65 Milliarden Euro. Das Management präzisierte den Zielkorridor für das Jahresende auf 29 bis 30 Milliarden Euro – ein Signal, dass der Konzern den Bilanzabbau trotz laufender Rechtsstreitigkeiten und Investitionsbedarfs in der Pharmasparte ernst nimmt. Mit einem RSI von 64,2 und einem Abstand von 26,88 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt zeigt die Aktie derzeit eine ausgeprägte Aufwärtsdynamik, die Anleger nun an der juristischen Anhörung Mitte August erneut auf die Probe stellen dürfte.
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