Bayer öffnet am heutigen Dienstag um 7:30 Uhr die Bücher zum ersten Halbjahr 2026. Der Termin fällt in eine Phase, in der sich für den Leverkusener Konzern mehrere Themenstränge überschneiden: die laufende Geschäftsentwicklung, ein bevorstehender Gerichtstermin zum Glyphosat-Streit in den USA sowie regulatorische Fortschritte im Pharmageschäft. Am Aktienmarkt zeigte sich die Nervosität bereits am Montag: Die Bayer-Aktie schloss bei 47,38 Euro und verlor auf Tagessicht 2,07 Prozent.
Markterwartungen vor den Zahlen
Für das zweite Quartal rechnet der Markt mit einem Umsatz von rund 10,67 Milliarden Euro und einem bereinigten EBITDA von 1,93 Milliarden Euro. Auf Ergebnisebene liegt der Analystenkonsens vom Montag bei einem bereinigten Ergebnis je Aktie von 0,769 Euro für das zweite Quartal; für das Gesamtjahr 2026 gehen Experten im Schnitt von 4,38 Euro aus. Diese Werte sind Prognosen und keine gemeldeten Ergebnisse – die tatsächlichen Zahlen liefert Bayer erst mit der heutigen Veröffentlichung.
Der jüngste Kursverlauf spiegelt die Unsicherheit im Vorfeld wider. Über 30 Tage hat die Aktie 6,92 Prozent verloren, und der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro beträgt inzwischen 12,03 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein deutliches Plus zu Buche, das die im laufenden Jahr erzielte Erholung unterstreicht – Belastungsfaktoren wie der Rechtsstreit um Glyphosat bleiben aber ein ständiger Begleiter der Kursentwicklung.
Anhörung zum Glyphosat-Vergleich rückt näher
Neben den Zahlen richtet sich der Blick auf den 19. August. An diesem Tag findet in St. Louis eine gerichtliche Anhörung statt, die über die finale Bestätigung eines Sammelvergleichs im Glyphosat-Komplex entscheiden soll. Das Volumen des sogenannten Class Settlement liegt bei rund 7,25 Milliarden US-Dollar. Rückenwind hatte Bayer zuvor vom US Supreme Court erhalten: Das Gericht entschied am 25. Juni im Fall Monsanto gegen Durnell mit 7:2 Stimmen, dass das US-Bundesrecht FIFRA einzelstaatliche Klagen wegen angeblich fehlender Krebswarnhinweise auf Produktverpackungen ausschließt. Diese Entscheidung gilt als wichtiger Baustein in der juristischen Auseinandersetzung, die den Konzern seit Jahren belastet.
Pharma- und Agrargeschäft liefern zusätzliche Impulse
Auch abseits der Rechtsstreitigkeiten war Bayer zuletzt aktiv. Ende Juli reichte der Konzern bei der chinesischen Arzneimittelbehörde einen Zulassungsantrag für eine erweiterte Indikation des Medikaments Kerendia mit dem Wirkstoff Finerenon ein – konkret geht es um den Einsatz bei chronischen Nierenerkrankungen. Das Präparat war in China zuvor bereits für ein anderes Anwendungsgebiet zugelassen worden; der neue Antrag zielt auf eine Ausweitung der Indikation ab und muss von den Behörden erst noch geprüft werden.
Im Agrargeschäft besiegelte Bayer Mitte Juli eine exklusive Lizenzvereinbarung mit dem französischen Saatzüchter RAGT zur Entwicklung von Hybridweizen für die Märkte in Europa und Nordamerika. Die Markteinführung ist laut Unternehmensangaben für den Beginn der 2030er-Jahre geplant – ein Projekt mit langem Zeithorizont, das die strategische Ausrichtung auf Ertragssteigerungen im Ackerbau unterstreicht.
Auf der Finanzierungsseite platzierte Bayer Mitte Juli neue US-Dollar-Anleihen im Gesamtvolumen von 5,0 Milliarden US-Dollar, mit denen fällige Verbindlichkeiten refinanziert werden sollen. Nach den heutigen Halbjahreszahlen richtet sich der nächste offizielle Termin auf den 3. November, wenn Bayer die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal veröffentlicht.
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