Bayer sendet an der Börse ein starkes Signal. Der Kurs kletterte zuletzt um gut fünf Prozent auf 48,41 Euro. Während die Glyphosat-Altlasten in eine neue juristische Phase eintreten, rückt das operative Geschäft in den Fokus. Im Zentrum steht dabei ein harter Kampf um Marktanteile in der Onkologie.
Angriff auf Johnson & Johnson
Bayer hat den Konkurrenten Johnson & Johnson in New York verklagt. Der Vorwurf lautet auf irreführende Werbung. J&J behauptet in einer Kampagne, sein Präparat Erleada senke das Sterberisiko um 51 Prozent stärker als Bayers Nubeqa. Bayer hält diese Daten für wissenschaftlich fehlerhaft.
Mitte Juni 2026 verschärfte der Leverkusener Konzern die Klage. Das Management fordert Schadensersatz und einen sofortigen Werbestopp. Das Gericht sieht zwar methodische Schwächen bei J&J. Allerdings fehlen Bayer noch die empirischen Beweise, da der Rivale seine kompletten Studiendaten unter Verschluss hält.
Das wirtschaftliche Gewicht dieses Streits ist enorm. Nubeqa gehört zu den wichtigsten Wachstumstreibern von Bayer. Im vergangenen Jahr sprang der Umsatz um 57 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Weltweit erhalten mehr als 200.000 Patienten das Mittel.
Pipeline unter Druck
Parallel dazu treibt Bayer die Zulassung seines neuen Schlaganfallmittels Asundexian voran. Die Europäische Arzneimittelagentur prüft den Antrag bereits. Der Wirkstoff soll Patienten mit hohem Risiko vor weiteren ischämischen Schlaganfällen schützen. In klinischen Studien sank dieses Risiko um 26 Prozent.
Die Zeit drängt. Bald laufen die Patente für den bisherigen Bestseller Xarelto aus. Asundexian muss diese Lücke füllen. China und die USA haben dem Mittel bereits eine beschleunigte Prüfung zugesagt.
Um künftige Entwicklungen zu beschleunigen, setzt Bayer auf Künstliche Intelligenz. Der Konzern kooperiert dafür mit Iambic Therapeutics. Die KI-Plattform des Partners soll neue Moleküle schneller identifizieren. Das Ziel: Die klassische, oft milliardenteure Forschung deutlich verkürzen.
Die Bilanz bleibt angespannt
Der pharmazeutische Aufbruch trifft auf eine schwere Schuldenlast. Ende März 2026 lagen die Nettofinanzschulden bei 32,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von neun Prozent seit dem Jahreswechsel.
Hauptgrund dafür sind teure Vergleiche. Allein für PCB- und Glyphosat-Klagen flossen zuletzt rund zwei Milliarden Euro ab. Im Gesamtjahr 2026 rechnet der Vorstand mit Abflüssen von etwa fünf Milliarden Euro. Der freie Cashflow dürfte entsprechend tief ins Minus rutschen.
Schon in wenigen Tagen steht der nächste juristische Meilenstein an. Am 9. Juli entscheidet ein Gericht über die finale Genehmigung eines milliardenschweren Vergleichspakets. Bayer strebt hier einen Schlussstrich im Umfang von 7,25 Milliarden Dollar an.
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