Pharma trägt, Agrar schwächelt: Bayer hat im dritten Quartal operativ besser abgeschnitten als erwartet und die Jahresprognose angehoben. Die Aktie führt den DAX zeitweise mit einem Plus von rund 5,8 Prozent an. Im Handel heißt es, der Markt habe sich zu lange auf die Monsanto-Altlasten fixiert.

Neue Medikamente tragen das Wachstum

Konzernchef Bill Anderson sprach von einem Wendepunkt: Bei Pharmaceuticals gehe es inzwischen aufwärts. Der Pharmaumsatz lag mit 4,68 Milliarden Euro rund 5 Prozent über den Erwartungen. Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda der Sparte stieg um fast ein Viertel auf 1,29 Milliarden Euro.

Nubeqa, das Prostatakrebsmittel, ist längst das umsatzstärkste Medikament. Der Umsatz wuchs um mehr als die Hälfte auf knapp eine Milliarde Euro. Kerendia legte auf 374 Millionen Euro zu und liegt damit nur noch knapp hinter Xarelto, dessen Erlöse wegen auslaufender Patente seit Längerem bröckeln.

Neue Impulse könnte Asundexian liefern. Der Gerinnungshemmer zur Schlaganfallprävention ist in China unter dem Namen Sunharbo zugelassen, in den USA dürfte die Zulassung bald folgen.

Prognose steigt, Schulden sinken

Das Konzernergebnis vor Sondereinflüssen erreichte 1,62 Milliarden Euro und übertraf die Erwartungen um 14 Prozent. Die Marge lag bei 16,1 Prozent statt der erwarteten 14,3 Prozent. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie blieb Bayer mit 0,31 Euro allerdings unter dem Konsens von 0,38 Euro.

Für 2026 erwartet der Konzern nun ein währungsbereinigtes bereinigtes Ebitda von 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro, an beiden Enden der Spanne 200 Millionen Euro mehr als zuvor.

Analysten hatten zuletzt mit rund 9,7 Milliarden Euro gerechnet. Die erwartete Pharma-Marge steigt auf 25 bis 27 Prozent. Umsatzziel und Gewinnprognose je Aktie bleiben unverändert.

Auch beim Cashflow hellt sich das Bild auf: Der erwartete Mittelabfluss fällt kleiner aus. Die Nettofinanzschulden sollen zum Jahresende bei 28 bis 29 Milliarden Euro liegen, eine Milliarde weniger als bisher geplant.

Agrar und Rechtsstreit bleiben Baustellen

Die Agrarsparte enttäuschte im saisonal schwächeren dritten Quartal. Ihr operatives Ergebnis fiel um mehr als 40 Prozent auf 101 Millionen Euro, belastet von höheren Herstellungs- und Vertriebskosten. Das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten gab leicht nach. Unter dem Strich blieb ein Nettoverlust von 672 Millionen Euro, nach 963 Millionen Euro im Vorjahr. Wertminderungen im Consumer-Health-Geschäft und Rechtskosten spielten eine Rolle.

Im Glyphosat-Komplex gab es keine Neuigkeiten. Kernstück bleibt ein breit angelegter Sammelvergleich, dem ein Richter noch zustimmen muss. Bis dahin hängt die Neubewertung der Aktie vor allem an der Pharmasparte, die den Großteil des operativen Gewinns liefert.