Im US-Glyphosat-Verfahren rückt der Tag der Wahrheit näher. Der oberste US-Gerichtshof entscheidet bald über den Fall „Durnell“. Für Bayer steht viel auf dem Spiel. Ein positives Urteil könnte die Klagewelle massiv eindämmen. Im Hintergrund baut der Leverkusener Konzern derweil sein Führungspersonal um.
Analysten sehen 60-Prozent-Chance
Die Privatbank Berenberg wagt im Vorfeld eine Prognose. Analyst Sebastian Bray taxiert die Wahrscheinlichkeit für einen Bayer-Sieg auf 60 Prozent. Er vergleicht die Ausgangslage mit einem Münzwurf. Dennoch hebt er sein Kursziel leicht von 40,00 auf 40,50 Euro an. Die Einstufung bleibt auf „Hold“. Bray begründet dies mit besseren Margen in der Pharmasparte. Auch Währungseffekte spielen dem Dax-Konzern in die Karten.
Frischer Wind im Management
Parallel zur juristischen Hängepartie formiert Bayer sein operatives Team neu. Die Consumer-Health-Sparte erhält vier neue Führungskräfte. Samantha Avivi übernimmt als globale Marketingchefin. Sie steuert künftig die Markenstrategie aus den USA. Das Land ist der wichtigste Markt für verschreibungsfreie Medikamente von Bayer.
Auch in der Pharmasparte dreht sich das Personalkarussell. Der bisherige Investor-Relations-Chef Jost Reinhard wechselt zum 1. August 2026. Er übernimmt die Leitung der Radiologie-Einheit. Reinhard folgt auf Nelson Ambrogio und berichtet direkt an Pharmavorstand Stefan Oelrich.
Cashflow unter Druck
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen ein zweigeteiltes Bild. Auf Konzernebene stieg der Umsatz währungsbereinigt auf 13,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um neun Prozent zu. Die Pharmasparte schwächelte indes. Hier sank der Gewinn vor Sonderposten auf 1,2 Milliarden Euro.
Ein Problem bleibt die Liquidität. Der freie Cashflow lag im ersten Quartal bei minus 2,3 Milliarden Euro. Bayer führt dieses tiefe Loch auf Auszahlungen für rechtliche Vergleiche zurück. Die Altlasten bremsen das operative Geschäft spürbar aus.
Blick auf den Chart
An der Börse herrscht aktuell Zurückhaltung. Die Aktie ging am Freitag bei 36,06 Euro aus dem Handel. Damit notiert das Papier fast exakt auf der 200-Tage-Linie. Seit Jahresanfang steht ein moderates Minus von rund fünf Prozent auf der Kurstafel.
Die kommenden Wochen bringen nun die rechtliche Entscheidung. Fällt das Supreme-Court-Urteil im Durnell-Fall zugunsten von Bayer aus, entfällt ein massiver Unsicherheitsfaktor. Ein negatives Urteil würde hingegen die Rückstellungen für weitere Vergleiche in die Höhe treiben.
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