Bayer hat am Dienstag mit den Zahlen für das zweite Quartal die Erwartungen der Börse übertroffen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,95 Euro und damit klar über dem Konsens von 0,77 Euro. Die Reaktion an den Kapitalmärkten fiel prompt aus: Binnen zwei Tagen zogen mehrere namhafte Analystenhäuser ihre Kursziele nach oben.
Konzernumsatz wächst, Crop Science treibt das Ergebnis
Der Konzernumsatz stieg währungs- und portfoliobereinigt um 2,2 Prozent auf 10,872 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen verbesserte sich um 1,9 Prozent auf 2,144 Milliarden Euro. Unter dem Strich drehte das Konzernergebnis mit 219 Millionen Euro ins Plus, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust angefallen war.
Getragen wurde die Entwicklung vor allem von der Agrarsparte: Crop Science steigerte das EBITDA im Quartal um 30,2 Prozent auf 902 Millionen Euro und glich damit einen Rückgang in der Pharmasparte aus, die beim EBITDA um 3,6 Prozent auf 1,055 Milliarden Euro nachgab. Innerhalb des Pharmageschäfts lieferte das Krebsmedikament Nubeqa mit 820 Millionen Euro Quartalsumsatz einen wichtigen Beitrag; für die neueren Produkte Nubeqa und Kerendia meldete der Konzern Wachstumsraten von 64 Prozent beziehungsweise 83 Prozent.
Bayer passte zugleich seine Schuldenprognose an: Zum Jahresende 2026 rechnet der Konzern nun mit einer Nettofinanzverschuldung von 29 bis 30 Milliarden Euro, deutlich unter der zuvor kommunizierten Spanne von 32 bis 33 Milliarden Euro. Zum 30. Juni lag die Verschuldung noch bei 33,647 Milliarden Euro. Für den Rückgang verantwortlich ist vor allem die für das zweite Halbjahr erwartete Eigenkapitalinvestition von Apollo.
Goldman Sachs und DZ Bank sehen mehr Potenzial
Die verbesserte Bilanzlage und die operative Entwicklung überzeugten die Analysten. Goldman-Sachs-Analyst James Quigley erhöhte am Mittwoch das Kursziel für Bayer von 62,50 Euro auf 63,50 Euro und bestätigte die Einstufung „Buy“. Er verwies auf die positive Finanzentwicklung sowie auf Fortschritte bei der rechtlichen Risikobewertung des Konzerns.
Auch die DZ Bank reagierte am selben Tag: Sie hob den fairen Wert für die Bayer-Aktie von 54 Euro auf 60 Euro an und beließ die Einstufung bei „Kaufen“. Als primäre Treiber nannten die Analysten den fortschreitenden Schuldenabbau und die operative Verbesserung im Agrargeschäft.
Glyphosat-Vergleich wird verschoben, US-Geschäft neu geordnet
Parallel zu den Zahlen ordnet Bayer sein Rechtsrisiko neu. Konzern und Klägeranwälte beantragten gemeinsam, die finale gerichtliche Anhörung zum 7,25-Milliarden-Dollar-Sammelvergleich in Missouri vom 19. August auf den 10. September zu verschieben. Grund sind sogenannte Opt-out-Anträge, mit denen einzelne Kläger aus dem Vergleich aussteigen wollen und die zunächst bearbeitet werden müssen, wie die Nachrichtenagentur dpa-AFX berichtete.
Zusätzlich bündelt Bayer das US-Glyphosatgeschäft künftig in einer eigenständigen Einheit namens „Ruveon“. Konzernchef Bill Anderson kündigte den Schritt am Dienstag an und hielt eine vollständige Aufspaltung des Konzerns als strategische Option offen, ohne sie als unmittelbar bevorstehend zu bezeichnen. Rückenwind für die juristische Position von Bayer liefert zudem ein Urteil des US Supreme Court vom Ende Juni: Das Gericht entschied im Fall „Durnell“ mit 7 zu 2 Stimmen zugunsten der Bayer-Tochter Monsanto und stärkte damit die rechtliche Grundlage für den laufenden Vergleich.
Aktie nahe am Jahreshoch
An der Börse zeigt sich die verbesserte Stimmung im Kursverlauf. Die Bayer-Aktie notiert aktuell bei 49,39 Euro und hat in den vergangenen sieben Handelstagen um 2,02 Prozent zugelegt. Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro, erreicht Anfang Juli, fehlen ihr noch 8,30 Prozent. Der Blick auf den Finanzkalender zeigt, dass Anleger als Nächstes auf die Anhörung zum Glyphosat-Vergleich am 10. September und die Quartalsmitteilung für das dritte Quartal am 3. November schauen dürften.
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