Bei Bayer überschlagen sich derzeit die Einschätzungen der Analysten. Am Mittwoch hoben gleich drei große Häuser innerhalb weniger Stunden ihre Kursziele für den Leverkusener Konzern an – ein seltener Gleichklang, der die veränderte Wahrnehmung des Unternehmens an den Kapitalmärkten unterstreicht.

Analysten ziehen nach

Goldman Sachs erhöhte das Kursziel von 62,50 auf 63,50 Euro und bestätigte die Einstufung „Buy“. Analyst James Quigley verwies zur Begründung auf die starke operative Entwicklung im Agrargeschäft. Noch deutlicher fiel die Reaktion der UBS aus: Das Analystenhaus stufte Bayer von „Neutral“ auf „Buy“ hoch und schraubte das Kursziel von 52,00 auf 62,00 Euro nach oben. Auch die DZ Bank zog nach und hob den fairen Wert von 54,00 auf 60,00 Euro an, ebenfalls mit Kaufempfehlung – als Argument nannte die Bank die reduzierte Nettoverschuldung des Konzerns.

Die Anhebungen fallen in eine Phase, in der sich das Sentiment rund um die Aktie spürbar aufgehellt hat. Bereits am Dienstag hatte das Papier deutlich zugelegt, seither steht ein Plus von 3,3 Prozent zu Buche. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 49,90 Euro, nach einem Tagesgewinn von 1,05 Prozent. Seit Jahresbeginn summiert sich der Anstieg auf 34,83 Prozent, zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro fehlen der Aktie noch 7,35 Prozent.

Rückenwind aus dem operativen Geschäft

Den fundamentalen Anlass für die positivere Sicht lieferte der Konzern selbst. Am vergangenen Donnerstag hatte Bayer für das zweite Quartal die Rückkehr in die Gewinnzone gemeldet: Das Konzernergebnis lag bei 219 Millionen Euro, nach einem Verlust von 199 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITDA stieg um 1,9 Prozent auf 2,144 Milliarden Euro und übertraf damit die Markterwartungen – seither hat die Aktie um 1,1 Prozent zugelegt.

Im Pharmageschäft zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Die Wachstumsträger Nubeqa und Kerendia legten im zweiten Quartal um 64 Prozent beziehungsweise 83 Prozent zu und kompensierten damit die zweistelligen Umsatzrückgänge beim Blutverdünner Xarelto, dessen Patentschutz ausgelaufen ist. Für Anleger ist dieser Ausgleich ein wichtiges Signal: Der Übergang von auslaufenden zu neuen Produkten scheint bislang zu gelingen, ohne die Gesamterlöse abstürzen zu lassen.

Rechtsrisiken bleiben im Blick

Neben dem operativen Geschäft bestimmt weiterhin der Glyphosat-Rechtsstreit die Nachrichtenlage. Ein US-Gericht in Missouri hatte die entscheidende Anhörung zur finalen Genehmigung des 7,25 Milliarden US-Dollar schweren Sammelvergleichs verschoben, um zusätzliche Opt-out-Widerrufe zu prüfen – seit der Meldung vor gut einer Woche steht die Aktie um 3,1 Prozent höher. Der neue Termin ist nun der 14. September 2026.

Rückenwind aus juristischer Richtung kam bereits Ende Juni: Der US Supreme Court stärkte Bayer im Fall „Durnell“ mit der Entscheidung, dass bundesrechtliche Zulassungsvorgaben der Umweltbehörde EPA Vorrang vor einzelstaatlichen Warnhinweis-Pflichten haben. Diese Weichenstellung dürfte dem Konzern in künftigen Glyphosat-Verfahren als Argumentationsgrundlage dienen.

Ausblick

Für Anleger rücken zwei Termine in den Fokus: Am 14. September steht die neu terminierte Anhörung zum Glyphosat-Vergleich an, am 3. November folgt die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026. Beide Ereignisse dürften zeigen, ob sich der positivere Trend bei operativem Geschäft und Rechtsrisiken fortsetzt – oder ob neue Unwägbarkeiten die zuletzt optimistischere Analystenstimmung dämpfen.