Wer auf die Bayer-Aktie blickt, sieht einen seltsamen Widerspruch. Die operativen Zahlen stimmen. Das Pharmageschäft liefert. Und trotzdem verharrt der Kurs bei 35,70 Euro. Die ehrliche Einschätzung lautet: Der Markt bewertet aktuell keine Medikamente. Er bewertet ein juristisches Risiko.
Operativ auf Kurs
Im ersten Quartal des Jahres wuchs der währungsbereinigte Konzernumsatz um 4,1 Prozent. Das operative Ergebnis stieg parallel dazu auf knapp 4,5 Milliarden Euro. Das zeigt: Das Kerngeschäft funktioniert.
Vor allem die Pharma-Sparte federt alte Patentverluste ab. Medikamente wie Nubeqa und Kerendia liefern die nötigen Umsätze. Strategisch setzt Bayer auf fünf potenzielle Blockbuster. Für den Wirkstoff Asundexian gab die US-Behörde FDA bereits grünes Licht für ein beschleunigtes Verfahren.
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Das Durnell-Risiko
Das eigentliche Problem heißt Durnell. Der Fall liegt aktuell beim Obersten Gerichtshof der USA. Im Kern prüfen die Richter die Sperrwirkung des Bundesrechts. Sie klären, ob ein Bundesstaat Bayer wegen fehlender Warnhinweise auf Glyphosat verurteilen darf. Die US-Umweltbehörde EPA stuft das Mittel schließlich als sicher ein.
Fällt das Urteil zugunsten von Bayer aus, platzt ein Großteil der rund 65.000 offenen Klagen. Verliert der Konzern, rollt die Klagewelle weiter. Das Urteil erwarten Experten noch im Juni.
Milliardenvergleich ohne Verwässerung
Ein weiterer juristischer Schauplatz bindet ebenfalls Aufmerksamkeit. Am 4. Juni endete die Opt-out-Frist für einen milliardenschweren Roundup-Vergleich. Dieser kostet Bayer bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar. Das Gericht muss den Deal im Juli noch final absegnen.
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Die gute Nachricht für Aktionäre: Eine Kapitalerhöhung bleibt aus. Bayer sichert die Finanzierung über eine Bankkreditlinie von acht Milliarden Dollar. Das nimmt das gefürchtete Verwässerungsrisiko vom Tisch. Soweit so gut.
Wette auf die Richter
Technisch kämpft die Aktie aktuell mit der 200-Tage-Linie bei 35,84 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund sechs Prozent auf der Kurstafel. Die fundamentale Ausgangslage zeigt zwar starke Fortschritte. Der endgültige Turnaround lässt aber auf sich warten.
Mein Urteil fällt daher klar aus. Wer aktuell Bayer-Aktien kauft, wettet nicht auf eine vielversprechende Pharma-Pipeline. Er wettet auf die Richter in Washington. Solange das Supreme-Court-Urteil aussteht, wird der Kurs die Lücke zwischen operativer Realität und Marktbewertung kaum schließen.
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