Bayer steuert auf einen der wichtigsten Termine des Sommers zu. Am 4. August legt der Leverkusener Konzern den Halbjahresfinanzbericht vor, begleitet von einem Media Update zur aktuellen Geschäftslage. Die Erwartungen der Anleger sind hoch, denn hinter der Aktie liegt ein Jahr mit deutlichen Kursgewinnen und einer sich merklich aufhellenden Rechtslage im Glyphosat-Komplex.

Rechtlicher Rückenwind aus den USA

Den entscheidenden Impuls lieferte der US Supreme Court am 25. Juni mit einem wegweisenden Urteil zur vorrangigen Geltung von Bundesrecht bei Produktkennzeichnungen. Die Entscheidung entlastet Bayer nach Einschätzung von Beobachtern spürbar von künftigen Haftungsrisiken im Roundup-Streit. Vorstandschef Bill Anderson bezeichnete das Urteil laut Reuters als „überfällige Klarheit“ für die gesamte Branche. Ergänzend dazu zog der Konzern Ende Juni einen Antrag auf Antidumpingzölle für chinesisches Glyphosat in den USA zurück, nachdem US-Agrarverbände wegen steigender Herbizidkosten für Landwirte massiven Druck ausgeübt hatten. Auch das dürfte in die anstehende Bewertung der Rechtsrisiken einfließen.

Parallel zur juristischen Entlastung treibt Bayer strukturelle Veränderungen voran. Am Mittwoch gab der Konzern die Gründung einer eigenständigen Betreibergesellschaft für den Standort Bergkamen bekannt. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft soll 2027 den operativen Betrieb aufnehmen und den Fokus auf Infrastruktur- und Standortdienstleistungen schärfen. Im Agrarsegment sicherte sich Bayer zudem eine Lizenzvereinbarung mit dem französischen Pflanzenzüchter RAGT zur gemeinsamen Entwicklung von Hybridweizen für Europa und Nordamerika, mit einer Markteinführung, die für Anfang der 2030er Jahre geplant ist.

Finanzierung und Führungswechsel

Auf der Finanzierungsseite platzierte die Tochter Bayer US Finance LLC neue US-Dollar-Anleihen im Gesamtvolumen von 5,0 Milliarden Dollar zur Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten. An der Spitze des Finanzressorts übernahm bereits Anfang Juni Judith Hartmann offiziell das Amt der Finanzvorständin von Wolfgang Nickl. Ihr Fokus liegt laut Unternehmensangaben auf dem weiteren Schuldenabbau und der Optimierung der Kapitalstruktur – Themen, die angesichts der frisch platzierten Anleihen unmittelbar Gewicht bekommen.

Die im Mai vorgelegten Zahlen für das erste Quartal zeigten trotz eines um 2,4 Prozent auf 13,41 Milliarden Euro gesunkenen Umsatzes einen kräftigen Gewinnsprung: Das Ergebnis je Aktie kletterte auf 2,81 Euro von 1,32 Euro im Vorjahresquartal. Der Halbjahresbericht am 4. August wird zeigen, ob sich dieser Trend fortsetzt.

Analysten uneins, Kurs unter Rekordhoch

Am Kapitalmarkt fällt das Bild gemischt aus. J.P.-Morgan-Analyst Richard Vosser bestätigte am 14. Juli die Einstufung „Overweight“. UBS-Analyst Matthew Weston stufte Bayer am 13. Juli mit „Buy“ ein und nannte ein Kursziel von 52 Euro. Barclays bekräftigte zum selben Zeitpunkt ebenfalls die Kaufempfehlung.

Die Aktie schloss am Mittwoch bei 47,46 Euro und hat seit Jahresbeginn um 28,24 Prozent zugelegt. Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro, erreicht Anfang Juli, fehlen der Aktie derzeit 11,88 Prozent. Der Abstand deutet darauf hin, dass der Markt die regulatorischen Fortschritte zwar honoriert, aber noch nicht vollständig eingepreist hat. Der Halbjahresbericht dürfte zeigen, ob operative Fortschritte den juristischen Rückenwind untermauern können.