Bayer kämpft auf mehreren Fronten gleichzeitig. Die Aktie notiert auf einem neuen Jahrestief, eine neue Finanzchefin übernimmt das Steuer — und aus der Pharmasparte kommen immerhin positive Signale.
Hartmann übernimmt in schwieriger Lage
Judith Hartmann leitet seit dem 1. Juni 2026 offiziell das Finanzressort. Sie folgt auf Wolfgang Nickl, der planmäßig in den Ruhestand getreten ist. Hartmann gehört dem Vorstand bereits seit März 2026 an.
Ihre Aufgabe ist anspruchsvoll. Der Markt beobachtet genau, wie sie die milliardenschweren Altlasten in der Bilanz steuert und die Kapitalallokation neu justiert. CEO Bill Anderson hat die Konzernhierarchien bereits verschlankt — von Hartmann erwartet der Markt klare Kommunikation zur Risikoreduktion.
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Charttechnik sendet Warnsignale
Die Aktie handelt unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Mit 35,20 Euro liegt der Kurs knapp unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 35,80 Euro — und rund acht Prozent unter dem 50-Tage-Schnitt. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast acht Prozent verloren, auf Monatssicht sogar rund neun Prozent.
Der RSI liegt bei 38 — noch kein überverkauftes Territorium, aber die Richtung stimmt nicht. Eine Rückeroberung des 200-Tage-Niveaus wäre das erste technische Entspannungssignal.
Pharma liefert, Xarelto kostet
Aus der Pharmasparte kamen zuletzt konstruktive Nachrichten. Auf der ASCO-Jahrestagung präsentierte Bayer Daten zur Phase-II-Studie ARACOG für Nubeqa (Darolutamid). Die Studie befasst sich mit kognitiven Beeinträchtigungen bei Prostatakrebs-Patienten.
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Wichtiger noch: Die FDA hat einen Zulassungsantrag für Kerendia (Finerenon) zur Behandlung chronischer Nierenerkrankungen bei Typ-1-Diabetikern angenommen und ein beschleunigtes Prüfverfahren gewährt. Sollte die Zulassung folgen, wäre Kerendia der erste nicht-steroidale Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist für diese Patientengruppe.
Das ist keine Kür, sondern Pflicht. Xarelto verliert seit dem Auslaufen zentraler Patente schrittweise seinen Umsatzbeitrag — die Pipeline muss liefern.
Bill Anderson äußerte sich am heutigen Freitag kritisch zu den Rahmenbedingungen in Deutschland: hohe Lohnnebenkosten, Bürokratie, hohe Energiekosten. Am 4. August 2026 legt Bayer die vollständigen Zahlen für das zweite Quartal vor — dann zeigt sich, ob Hartmanns erste Akzente beim Markt ankommen.
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