Während mehrere große Häuser nach den Quartalszahlen ihre Kursziele für Bayer kräftig anhoben, hält Jefferies an seiner zurückhaltenden Einschätzung fest. Am Montag bestätigte das Analysehaus die Einstufung Hold mit einem Kursziel von 46 Euro – ein deutlicher Kontrast zu den Zielmarken der Konkurrenz, die teils mehr als 15 Euro darüber liegen.
Große Spanne bei den Kurszielen
Nach der Vorlage der Q2-Zahlen am vergangenen Donnerstag hatten UBS und Goldman Sachs ihre Kursziele auf 62 beziehungsweise 63,50 Euro angehoben, beide mit der Einstufung Buy. JPMorgan zog mit einem Ziel von 61 Euro nach, ebenfalls bei Overweight, während die Deutsche Bank Research bei Buy blieb und ein Kursziel von 60 Euro nannte.
Jefferies setzt sich mit seiner Hold-Einstufung und dem deutlich niedrigeren Zielwert bewusst ab – ein Signal, dass die Rechtsrisiken aus dem Roundup-Komplex und die Cashflow-Belastung aus dem zweiten Quartal für das Haus schwerer wiegen als die operative Verbesserung.
Diese Skepsis mag auch mit dem Blick auf den ausstehenden Gerichtstermin zusammenhängen: Ein Missouri-Richter hatte die Anhörung zur Genehmigung des 7,25-Milliarden-Dollar-Vergleichs im Roundup-Rechtsstreit auf den 14. September verschoben. Bis dahin bleibt ein zentraler Unsicherheitsfaktor für die Bewertung des Konzerns offen.
Kurs bewegt sich seitwärts
Am Kapitalmarkt zeigt sich die Aktie derzeit unentschieden. Zum Schluss des Freitagshandels notierte das Papier bei 47,90 Euro, ein Minus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 4,0 Prozent zu Buche, während sich der Kurs über 30 Tage kaum verändert zeigt. Damit pendelt die Aktie zwischen den optimistischen Kurszielen der Analysten und der Vorsicht, die Jefferies weiterhin walten lässt.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 29 Prozent zu Buche, über zwölf Monate hat sich der Kurs sogar um 80 Prozent verbessert. Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro, erreicht Anfang Juli, fehlen der Aktie derzeit 11 Prozent – ein Abstand, der zeigt, dass trotz der jüngsten Rally noch Luft nach oben besteht, sollten sich die optimistischeren Analystenszenarien bewahrheiten.
Was die Spanne für Anleger bedeutet
Die Differenz zwischen den Kurszielen offenbart, wie unterschiedlich die operative Erholung und die juristischen Altlasten gegeneinander abgewogen werden.
Bayer hatte im zweiten Quartal ein überraschend starkes EBITDA vor Sondereinflüssen gemeldet und gleichzeitig die Nettofinanzverschuldungs-Prognose für das laufende Jahr gesenkt. Zugleich belastete ein negativer Free Cashflow im Quartal, der teilweise auf Vergleichszahlungen im Rechtsstreit-Komplex zurückgeht, das Bild.
Für Anleger bleibt die Situation zweigeteilt: Die operative Entwicklung überzeugt einen Großteil der Analysten, während die ungeklärte Rechtslage rund um Roundup – mit dem nächsten Termin im September – Häuser wie Jefferies zur Vorsicht mahnt. Bis zur Anhörung dürfte diese Spanne zwischen den Kurszielen bestehen bleiben.
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