Moody’s hebt den Ausblick für Bayer von „negativ“ auf „stabil“. Das langfristige Rating bleibt bei „BAA2″. Grund ist ein Urteil des US Supreme Court, das Bayers Rechtsposition in der Glyphosat-Litigation deutlich stärkt.
Die Aktie reagiert am Montag verhalten. Sie notiert bei 49,77 Euro und verliert 0,82 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Der Blick auf die letzten Wochen zeigt aber eine andere Dynamik: Binnen 30 Tagen legte der Kurs um 38 Prozent zu, seit Jahresbeginn steht ein Plus von fast 31 Prozent.
Supreme-Court-Urteil verändert die Rechtslage
Der Fall „Durnell“ ist der Kern der Moody’s-Entscheidung. Der Supreme Court stärkte darin die Position, dass Bundesrecht Vorrang vor einzelstaatlichen Warnpflichten hat. Diese sogenannte Federal Preemption verbessert Bayers Ausgangslage in laufenden Glyphosat-Klagen in den USA erheblich.
S&P zieht bislang nicht nach. Die Agentur belässt ihren Ausblick auf „negativ“ bei einem Rating von „BBB“.
Kapital fließt, Pipeline wächst
Bayer verkauft eine Minderheitsbeteiligung an seinem Geschäft mit Langzeitverhütungsmitteln an Apollo Global Management. Der Deal bringt rund 3 Milliarden Euro. Das Portfolio mit Marken wie Mirena, Kyleena und Jaydess setzte 2025 etwa 1,4 Milliarden Euro um. Bayer behält die operative Kontrolle und die Mehrheit am neuen Unternehmen.
Parallel baut der Konzern seine Pharma-Pipeline aus. Bayer übernimmt Perfuse Therapeutics für bis zu 2,45 Milliarden US-Dollar. Der Zukauf stärkt die Augenheilkunde-Sparte und soll künftige Patentabläufe bei Kernprodukten abfedern.
Schulden bleiben die größte Baustelle
Trotz der frischen Milliarden bleibt die Verschuldung hoch. Die Nettofinanzverschuldung lag Ende März 2026 bei 32,5 Milliarden Euro. Hinzu kommen Rückstellungen für Glyphosat-Verfahren von etwa 11,8 Milliarden Euro.
Analysten bewerten die Lage unterschiedlich. UBS-Analyst Matthew Weston bestätigt sein „Buy“-Rating mit Kursziel 52 Euro und verweist auf die Anhörung zum Sammelvergleich am 19. August. Jefferies-Analyst Michael Leuchten bleibt vorsichtiger. Er belässt die Einstufung auf „Hold“ mit Kursziel 46 Euro und fordert weitere Bilanzstärkung, bevor eine Aufspaltung realistisch wird.
Technisch zeigt sich ein deutlich überkaufter Markt. Der RSI liegt bei 68,3, der Kurs notiert 31,71 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 37,79 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro, erreicht am 3. Juli, fehlen noch rund 7,6 Prozent.
Am 4. August legt Bayer die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Sie werden zeigen, ob die operativen Fortschritte in Crop Science und Pharmaceuticals die hohen Zinslasten auffangen können.
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