Goldman Sachs hat seine Beteiligung an Bayer von 6,34 auf 4,13 Prozent gesenkt — der Markt zuckte kaum mit der Schulter. Statt auf den institutionellen Rückzug zu reagieren, richtet sich der Fokus der Anleger längst auf ein Datum, das für den Konzern weitaus mehr Gewicht trägt: den 27. April 2026.
Roundup-Streit vor dem höchsten Gericht
An diesem Tag beginnen die mündlichen Verhandlungen vor dem US Supreme Court in einem Fall, der die Grundlage für Tausende künftiger Glyphosat-Klagen beseitigen könnte. Bayer argumentiert, dass das bundesstaatliche Pestizidrecht FIFRA einzelstaatliche Krebswarnpflichten auf Roundup-Etiketten verdrängt — und damit Klagen wegen Non-Hodgkin-Lymphoms landesweit hinfällig macht.
Der Einsatz ist enorm. Seit der Monsanto-Übernahme 2018 hat Bayer bereits mehr als 11 Milliarden US-Dollar in Vergleichen und Urteilen aufgewendet. Eine Entscheidung zugunsten des Konzerns würde diesen Kostenblock strukturell begrenzen. Das Urteil wird noch vor Ende der laufenden Sitzungsperiode im Juni erwartet.
Bemerkenswert an der Goldman-Meldung ist übrigens die Struktur der Beteiligung: Der Löwenanteil entfällt auf Finanzinstrumente, nur ein Bruchteil auf direkt gehaltene Aktien. Das deutet eher auf Absicherungsstrategien hin als auf ein klassisches Langfristinvestment — der Rückzug ist damit weniger als fundamentales Signal zu werten.
Positive Signale aus dem ESG-Bereich
Abseits der Rechtslage gibt es auch Rückenwind aus dem Nachhaltigkeitsbereich. MSCI Solutions vergab erstmals ein AA-Rating an Bayer, und Sustainalytics hob Ende 2025 sein „Red Flag“ auf — ein Schritt, der explizit mit den Fortschritten bei der Eindämmung des Glyphosat-Risikos begründet wurde.
Terminkalender April und Mai
Der April wird für Bayer-Aktionäre ereignisreich. Drei Termine verdichten sich in wenigen Tagen:
- 24. April: Ordentliche Hauptversammlung, Abstimmung über Dividende von 0,11 Euro je Aktie
- 27. April: Ex-Dividenden-Tag und Beginn der Supreme-Court-Verhandlungen
- 12. Mai: Präsentation der Quartalszahlen für Q1 2026
Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Management ein bereinigtes Ergebnis je Aktie zwischen 4,30 und 4,80 Euro an. Die Nettoverschuldung sank per Jahresende 2025 auf 29,8 Milliarden Euro — ein Rückgang von 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Belastend bleibt jedoch der freie Cashflow, der durch laufende Roundup-Vergleichszahlungen weiter unter Druck steht. Wie stark dieser Druck nachlässt, hängt maßgeblich davon ab, was der Supreme Court im Juni entscheidet.
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