Bayer schloss die Woche mit einem soliden Plus — und trotzdem wächst der Gegenwind. Zwei neue Belastungsfaktoren könnten die Erholung der letzten Monate unter Druck setzen.
Washington nimmt deutsche Arzneimittelpreise ins Visier
Die Trump-Administration hat am 18. Juni eine formelle Handelsuntersuchung nach Section 301 gegen Deutschland eingeleitet. Der Vorwurf: Deutsche Arzneimittelpreise seien dauerhaft zu niedrig und zwingen amerikanische Patienten, einen unverhältnismäßig hohen Anteil der weltweiten Forschungskosten zu tragen.
Es ist das erste Mal, dass Washington seine Arzneimittelpreisagenda in eine konkrete Durchsetzungsmaßnahme gegen ein einzelnes europäisches Land umwandelt. Das Büro des US-Handelsbeauftragten öffnet am 25. Juni ein Dossier für schriftliche Stellungnahmen. Eine öffentliche Anhörung folgt im September.
Bayer, Boehringer Ingelheim und Merck KGaA betreiben wichtige Produktionsstandorte in Deutschland. Sollten Zölle auf US-gebundene deutsche Pharmaprodukte kommen, würde sich die Kostenstruktur erheblich verschieben. Handelsbeauftragter Greer deutete allerdings an, dass höhere Erstattungspreise — ähnlich dem jüngsten US-britischen Abkommen — eine Alternative zu Zöllen sein könnten.
An der Börse blieben die Reaktionen bislang verhalten. Die Aktie schloss am Freitag bei 37,81 Euro, ein Wochenplus von 4,85 Prozent. Der Kurs liegt damit exakt auf dem 50-Tage-Durchschnitt.
Nubeqa-Streit mit Johnson & Johnson eskaliert
Parallel dazu spitzt sich ein Rechtsstreit um Bayers wichtigstes Wachstumsmedikament zu. Im Februar 2026 hatte Bayer Johnson & Johnson und dessen Tochter Janssen Biotech verklagt. Der Vorwurf: J&J bewerbe sein Prostatakrebsmittel Erleada mit fehlerhaften Realwelt-Daten als überlegen gegenüber Nubeqa.
Am 15. Juni reichte Bayer eine geänderte Klage ein. Das Unternehmen fordert eine dauerhafte Unterlassungsverfügung sowie Schadenersatz. Das Gericht erkannte zwar eine „plausible Hypothese“ methodischer Schwächen in der J&J-Studie an — verlangte aber empirische Belege. Da J&J die vollständigen Studiendaten bisher nicht herausgegeben hat, will Bayer diese nun im Rahmen des Beweiserhebungsverfahrens anfordern.
Nubeqa gilt als einer der wichtigsten Wachstumstreiber im Bayer-Portfolio. Ein ungünstiger Ausgang des Verfahrens würde den Marktanteil im konzentrierten Prostatakrebsmarkt direkt gefährden.
Glyphosat-Urteil bleibt der größte Joker
Überlagert wird all das vom Supreme-Court-Verfahren im Glyphosat-Fall „Durnell“. Die Richter entscheiden über eine Grundsatzfrage: Darf ein Unternehmen nach einzelstaatlichem Recht verurteilt werden, wenn die Bundesbehörde EPA das Produkt als sicher eingestuft hat?
Ein positives Urteil für Bayer würde einen Großteil der noch rund 65.000 offenen Klagen hinfällig machen. Ein negatives Urteil verlängert die Klagewelle. Kein anderer Faktor hat derzeit ein vergleichbares Gewicht für die Bayer-Aktie.
Vom 52-Wochen-Tief bei 25,09 Euro hat sich der Kurs bereits um mehr als 50 Prozent erholt. Bis zum Jahreshoch bei 49,93 Euro fehlen noch rund 24 Prozent — wie weit die Erholung trägt, hängt wesentlich davon ab, wie viele dieser Rechtsrisiken sich in den kommenden Monaten auflösen.
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