Die UBS hat ihre Einstufung für Bayer heute auf „Buy“ belassen und ein Kursziel von 62,00 Euro ausgerufen. Die Schweizer Großbank begründet ihre Position mit dem morgen anstehenden Investorentag zur Sparte Crop Science sowie mit erwarteten Produkteinführungen im Agrargeschäft. Das Kursziel liegt deutlich über dem aktuellen Niveau von 48,86 Euro, bei dem die Aktie heute mit einem Minus von 0,4 Prozent notiert.
Pharma-Pipeline liefert unterstützende Nachrichten
Die pharmazeutische Sparte des Konzerns sorgt derzeit für positive Schlagzeilen. Beim europäischen Kardiologiekongress ESC, der von Freitag bis Montag stattfand, präsentierte Bayer aktuelle Daten zur Studie REVEAL: Der PET-Radiotracer Iod-124-Evuzamitid erreichte seine primären Endpunkte und zeigte hohe Sensitivität sowie Spezifität bei der Diagnose von kardialer Amyloidose.
Ergänzend verweist das Unternehmen weiterhin auf die im Frühsommer vorgestellten Ergebnisse der Studie FIND-CKD, wonach der Wirkstoff Finerenon, vermarktet unter dem Namen Kerendia, den Nierenfunktionsverlust bei Patienten mit hypertensiver Nephropathie im Vergleich zu Placebo signifikant verlangsamt.
Zusätzlichen Schub erhält die Pipeline durch eine regulatorische Entscheidung in Japan: Das dortige Gesundheitsministerium hat vergangene Woche die Zulassung für Hyrnuo (Sevabertinib) zur Behandlung von Patienten mit HER2-mutiertem, fortgeschrittenem oder rezidivierendem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs erteilt.
Für Anleger unterstreicht diese Häufung von Studienerfolgen und Zulassungen, dass die Pharmasparte an mehreren Fronten gleichzeitig vorankommt – ein Kontrapunkt zu den weiterhin belastenden Rechtsrisiken im Agrargeschäft.
Rechtsstreit bleibt im Hintergrund präsent
Die Glyphosat-Thematik ist zwar als unmittelbarer Kurstreiber derzeit ausgereizt, bleibt aber Teil des Gesamtbilds. Bayer verweist in seiner jüngsten Stellungnahme auf das Urteil des U.S. Supreme Court im Fall Durnell vom 25. Juni, das Klagen wegen fehlender Warnhinweise auf Ebene der US-Bundesstaaten bei EPA-geprüften Produkten einschränkt.
Am vergangenen Donnerstag wies zudem das US-Bundesberufungsgericht für den Eighth Circuit einen Antrag von Klägern ab, die Zuständigkeit für den Roundup-Sammelvergleich an ein anderes Bundesgericht zu verlagern – die Zuständigkeit verbleibt damit beim Gericht in Missouri. Seither hat sich die Aktie um 0,8 Prozent bewegt. Die finale gerichtliche Genehmigungsanhörung zum Vergleich ist für den 14. September terminiert.
Blick auf den Investorentag
Morgen richtet Bayer in den USA eine Investorenveranstaltung aus, die sich auf Strategie und Produktpipeline der Division Crop Science konzentriert. Genau dieses Ereignis dürfte den kurzfristigen Ausblick der Analysten prägen, wie die UBS-Einschätzung nahelegt.
Charttechnisch notiert die Aktie derzeit ein Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 48,39 Euro und rund 18 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 41,48 Euro – ein Bild, das eine intakte mittelfristige Aufwärtsbewegung zeigt, auch wenn der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro bei 9,3 Prozent liegt.
Medienberichten zufolge hatte die Aktie im Dreimonatszeitraum bis zum 21. August bereits einen Kursanstieg von 24,19 Prozent verzeichnet, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten.
Für Investoren bündeln sich damit in dieser Woche mehrere Fäden: die pharmazeutische Forschungsdynamik, die anhaltende juristische Aufarbeitung der Glyphosat-Fälle und nun der Blick auf die strategische Ausrichtung des Agrargeschäfts. Der morgige Termin dürfte zeigen, ob das von der UBS ausgerufene Kursziel von 62,00 Euro aus fundamentaler Sicht Substanz gewinnt.
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