Die Schweizer Großbank UBS hat ihr Kursziel für die Bayer-Aktie von 52 auf 62 Euro angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt. JPMorgan bekräftigte am Freitag sein Overweight-Rating mit einem Kursziel von 50 Euro, die DZ Bank hatte ihren fairen Wert bereits zuvor auf 60 Euro angehoben und rät ebenfalls zum Kauf. Auslöser der Welle an Zielkorrekturen ist das operative Ergebnis im Kerngeschäft, das den Konsens der Analysten um rund zehn Prozent übertroffen hat. Vorbörslich zog die Aktie am Freitag auf Tradegate um 3,4 Prozent auf 48,70 Euro an. Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 49,90 Euro, ein Plus von 1,05 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 34,83 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro fehlen noch 7,35 Prozent.

Saatguttechnologie treibt den Gewinnsprung

Hinter dem überraschend starken Quartal steckt vor allem die Agrarsparte. Nach Angaben des American Ag Network meldete Bayer einen unerwarteten Gewinnanstieg, der auf stärkere Verkäufe von Saatguttechnologie zurückgeht. Der Konzern reiht sich damit in eine Reihe von Agrarunternehmen ein, die zuletzt ihre Jahresprognosen angehoben haben: ADM verwies auf bessere Quartalszahlen und höhere Getreidepreise, Corteva auf eine starke Saatgutnachfrage bei gleichzeitigem Druck auf die landwirtschaftlichen Einkommen der Kunden. Für Bayer bestätigt dieser Trend, dass die Agrarsparte trotz eines schwierigen Branchenumfelds als Wachstumstreiber funktioniert – ein Punkt, den auch die Analysten in ihren Neubewertungen aufgreifen.

Auch operativ bleibt der Konzern in der Fläche aktiv: In Frankreich brachte die Agrarsparte von Bayer Anfang Juli das Pack MD Diag+ auf den Markt, eine Kombination aus dem Herbizid Mateno Duo und dem molekularbiologischen Resistenztest Herbi Diag+. Landwirte können zwischen Mitte August und Mitte November Proben einsenden und erhalten binnen vier bis fünf Wochen Ergebnisse zu Resistenzen bei Ackerfuchsschwanz und Windhalm, den Zielorganismen des Tests. Solche Produktlaunches liefern zwar keine kurzfristigen Kursimpulse, unterstreichen aber die technologische Ausrichtung des Agrargeschäfts, das derzeit für die positiven Gewinnüberraschungen sorgt.

Rechtsrisiken bleiben der Dämpfer

Trotz der freundlichen Analystenreaktionen weisen die Bankexperten unisono auf einen Belastungsfaktor hin: Die Rechtsrisiken rund um Glyphosat-Klagen in den USA bleiben ungelöst und drücken weiterhin auf die Bewertung. Diese Unsicherheit erklärt zumindest teilweise, warum selbst das optimistischste Kursziel von UBS mit 62 Euro noch spürbar unter dem historischen Bewertungsniveau des Konzerns liegt, obwohl die operative Entwicklung positiv überrascht.

Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Auf der operativen Seite liefert Bayer derzeit handfeste Argumente, die auch skeptischere Häuser wie JPMorgan zu einer Bestätigung ihrer positiven Einschätzung bewegen. Die Volatilität der Aktie bleibt mit knapp 39 Prozent auf 30-Tage-Basis hoch, was die unterschiedlichen Kursziele zwischen 50 und 62 Euro zusätzlich erklärt. Die Rechtslage um Glyphosat bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor, der die weitere Kursentwicklung stärker prägen dürfte als die aktuell guten operativen Nachrichten aus dem Agrargeschäft.