Die juristische Hängepartie um den Unkrautvernichter Roundup geht in die nächste Runde. Ein US-Bundesrichter in Missouri behält die Zuständigkeit für den milliardenschweren Sammelvergleich. Das bringt etwas Ruhe in den Fall. Analysten warnen indes vor massiven Kursrisiken, falls der Plan scheitert.
Am Markt reagieren Anleger nervös. Die Bayer-Aktie notiert aktuell bei 37,02 Euro und verliert leicht an Boden. Auf Sicht von einem Jahr steht zwar ein Plus von 38 Prozent auf der Anzeigetafel. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von rund 50 Euro bleibt jedoch beträchtlich.
UBS skizziert drastisches Absturzszenario
Die Schweizer Großbank UBS hat die möglichen Ausgänge des Glyphosat-Streits durchgerechnet. Analyst Matthew Weston sieht im Basisszenario ein Kursziel von 52 Euro. Dafür muss Bayer jedoch den separaten Durnell-Fall vor dem Supreme Court gewinnen. Fachleute schätzen die Erfolgschance hier auf etwa 70 Prozent.
Ein negatives Urteil hätte dramatische Folgen. Das Resultat: Die Experten kappen das Kursziel auf 28 Euro. Die Aktie würde damit ein Viertel ihres Werts verlieren. Berenberg-Analyst Sebastian Bray hält eine Prognose für den Supreme Court indes für unmöglich. Er vergleicht die Ausgangslage mit einem Münzwurf.
Schuldenberg und Aktionärsfrust
Abseits der Gerichtssäle drückt die Finanzlage auf die Stimmung. Finanzvorstand Wolfgang Nickl erwartet für 2026 einen Mittelabfluss von rund fünf Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten. Der freie Cashflow rutscht dadurch tief ins Minus. Bis Jahresende könnte die Nettoverschuldung auf 33 Milliarden Euro klettern.
Große institutionelle Investoren erhöhen parallel dazu den Druck. Sie fordern eine ergebnisoffene Prüfung der Konzernstruktur. Eine Abspaltung der Consumer-Health-Sparte steht im Raum. Deka-Vertreter verlangen eine echte Strukturdebatte statt kosmetischer Anpassungen. Die DWS pocht bei einer Trennung auf die vollständige Platzierung aller Anteile in Deutschland.
Der Konzernumbau hinterlässt bereits tiefe Spuren. Seit Beginn der Neuausrichtung hat Bayer rund 14.000 Stellen abgebaut. Allein im vergangenen Jahr strich das Management gut 4.700 Arbeitsplätze.
EU-Reform bringt Hoffnung für Agrarsparte
Ein Lichtblick kommt aus Straßburg. Das Europäische Parlament lockert die strengen Gentechnikregeln. Mit modernen Verfahren veränderte Lebensmittel dürfen künftig ohne spezielle Kennzeichnung in den Handel. Die kostenintensiven Umweltprüfungen vor der Zulassung entfallen.
Die neuen Vorgaben gelten voraussichtlich ab Mitte 2028. Für die Saatgutsparte von Bayer sinken damit die Hürden für neue Produkte spürbar. Kritiker befürchten bereits, dass große Agrarkonzerne die Hauptnutznießer der Reform sein werden.
Der wichtigste Termin des Jahres steht kurz bevor. Am 9. Juli 2026 entscheidet das Gericht in Missouri endgültig über die Billigung des Sammelvergleichs. Gibt der Richter grünes Licht, sinkt das finanzielle Risiko für Bayer drastisch. Fällt der Deal durch, rückt das Worst-Case-Szenario der Analysten bedrohlich nah.
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