Bei Bayer stehen Fortschritte im Pharmageschäft einer bekannten Schwäche der Agrarsparte gegenüber. Entscheidend ist deshalb nicht allein der nächste Entwicklungsschritt eines Medikaments. Für Anleger zählt, ob sich die positive Pharmadynamik auch im operativen Geschäft fortsetzt. Die UBS hat diesen Gegensatz am Donnerstag aufgegriffen und ihre Kaufempfehlung bestätigt.
Unterschiedliche Perspektiven der Geschäftsbereiche
Die Bank beließ ihr Kursziel bei 62 Euro. Sie verwies auf die bekannte Schwäche im Agrargeschäft, zugleich aber auf intakte Trends in den Geschäftsjahren 2026 und 2027. Im Pharmabereich erkennt sie weiterhin Dynamik.
Damit stützt sich die positive Einschätzung nicht auf eine bereits überwundene Agrarschwäche. Vielmehr stehen die Entwicklung der einzelnen Geschäftsbereiche und deren unterschiedliche Perspektiven im Mittelpunkt. Für die Einordnung der Aktie ist diese Trennung wichtig: Fortschritte bei Medikamenten bedeuten nicht automatisch eine Verbesserung im Agrargeschäft.
Die jüngsten Pharmameldungen liefern Anhaltspunkte für das Entwicklungspotenzial. Sie betreffen allerdings verschiedene Stufen auf dem Weg zu einer möglichen breiteren Anwendung und sind deshalb nicht gleichzusetzen.
Klinischer Fortschritt ist noch kein Geschäftserfolg
Vor gut einer Woche startete die Bayer-Tochter Vividion eine globale Phase-II-Studie mit VVD-214 in Kombination mit Pembrolizumab. Der erste Patient wurde behandelt. Untersucht werden zuvor unbehandelte Menschen mit fortgeschrittenem MSI-H- oder dMMR-Darmkrebs.
Vividion gehört vollständig zu Bayer und arbeitet eigenständig. Der Studienbeginn erweitert die klinische Entwicklung des Wirkstoffs. Er ist jedoch noch kein Wirksamkeitsnachweis aus dieser Untersuchung und lässt sich nicht mit einer Zulassung gleichsetzen.
Einen anderen Entwicklungsstand betrifft Finerenon, das Bayer unter dem Namen Kerendia führt. Vor gut einer Woche akzeptierte die US-Gesundheitsbehörde FDA den ergänzenden Zulassungsantrag zur Behandlung chronischer Nierenerkrankung ohne Diabetes. Grundlage sind laut Bayer positive Ergebnisse der Phase-III-Studie FIND-CKD.
Auch hier bleibt die Unterscheidung wesentlich: Die Annahme des Antrags ist ein regulatorischer Schritt, nicht die Genehmigung der beantragten Anwendung. Beide Meldungen stützen damit die Perspektive des Pharmageschäfts, ohne bereits einen daraus resultierenden Geschäftserfolg zu belegen.
Operative Entwicklung als nächster Prüfstein
Am 3. November veröffentlicht Bayer die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026. Der Termin bietet den nächsten konkreten Anlass, die operative Entwicklung mit der positiven Einschätzung des Pharmabereichs und der bekannten Agrarschwäche abzugleichen.
Die Anlegerfrage lautet damit nicht nur, welche Medikamente vorankommen. Entscheidend ist ebenso, wie sich die Geschäftsbereiche insgesamt entwickeln. Die Pharmanachrichten liefern Chancen; die von UBS ebenfalls benannte Agrarschwäche bleibt Teil der Bewertung.
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