Für Bayer war in der vergangenen Woche weniger die Medizin als vielmehr das Recht entscheidend. Der kräftige Kurssprung der Aktie folgte auf eine Entwicklung im jahrelangen Streit um das Unkrautvernichtungsmittel Roundup. Aus Sicht vieler Investoren könnte sich damit das größte Risiko des Konzerns zumindest vorübergehend verringern.
Bayer: Geringeres Risiko nach dem Gerichtsurteil
Dabei ist wichtig, worüber überhaupt entschieden wurde. Im Mittelpunkt stand nicht die Frage, ob Glyphosat Krebs verursacht oder nicht. Der Oberste Gerichtshof der USA befasste sich vielmehr mit den Zuständigkeiten. Nach der nun maßgeblichen Rechtsauffassung haben die Vorgaben der US-Umweltbehörde EPA auf Bundesebene Vorrang.
Einzelne Bundesstaaten können deshalb keine weitergehenden Warnhinweise auf der Verpackung verlangen und Klagen nicht darauf stützen, dass ein entsprechender Krebswarnhinweis gefehlt habe.
Genau darin sehen viele Marktteilnehmer die eigentliche Bedeutung der Entscheidung. Sollte sich diese Rechtsauffassung durchsetzen, könnte Bayer einen Teil der noch offenen Roundup-Verfahren deutlich leichter abwehren. Nach Einschätzung verschiedener Analysten eröffnet das die Möglichkeit, die Rechtsstreitigkeiten rund um das Produkt spürbar einzudämmen.
An der Börse kam diese Entwicklung gut an. Innerhalb einer Woche legte die Aktie um mehr als 24 % zu und kehrte damit klar in den Aufwärtstrend zurück. Der Kursanstieg zeigt, dass Anleger den juristischen Fortschritt derzeit höher bewerten als die operativen Entwicklungen des Unternehmens.
Ganz abgeschlossen ist das Thema allerdings nicht. Bayer arbeitet weiterhin an einer umfassenden Lösung für die noch offenen Verfahren. Dennoch hat sich die Ausgangslage verändert. Sollte die Entscheidung des Supreme Court künftig Maßstäbe für vergleichbare Fälle setzen, könnte sich das rechtliche Risiko rund um Roundup deutlich verringern. Diese Aussicht war in der vergangenen Woche der entscheidende Kurstreiber für die Bayer-Aktie.
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