Wie tragfähig ist der strategische Kurswechsel der Leverkusener? Bayer richtet sein Pharmageschäft immer stärker auf den nordamerikanischen Markt aus. Die Vereinigten Staaten erwirtschaften inzwischen 35 Prozent des weltweiten Pharmaumsatzes, verglichen mit rund 20 Prozent im Jahr 2018. Bis zum Ende des Jahrzehnts strebt der Konzern eine Verdopplung dieses Geschäfts an.

Konzernchef Bill Anderson bezeichnet die Vereinigten Staaten als unverzichtbaren Pfeiler für Produktion und Innovation. Gleichzeitig vollzieht das Unternehmen einen tiefgreifenden personellen Wandel: Die weltweite Belegschaft sank in den vergangenen Jahren deutlich, während administrative Ebenen verschlankt wurden.

Der operative Schwerpunkt verschiebt sich damit weg von übergeordneten Verwaltungsstrukturen hin zu gezielten Investitionen in ertragsstarke Therapiegebiete.

Fokus auf margenstarke Kerntherapien

Beim Bau eines Pharmaproduktionsstandorts in Ohio bündelt der Konzern die Herstellung von Wirkstoffen und Fertigarzneimitteln an einem gemeinsamen Campus. Die Kapazitäten konzentrieren sich vor allem auf die Kernbereiche Onkologie sowie Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen.

Geplant ist am Standort unter anderem die Produktion von Kerendia gegen Nierenerkrankungen, Nubeqa gegen Prostatakrebs sowie des Entwicklungskandidaten Asundexian zur Schlaganfallprävention. In den fünf Jahren vor dem Vorhaben flossen bereits mehr als 7 Milliarden US-Dollar in die US-Pharmaforschung und -fertigung.

Politischer Preisdruck auf dem US-Markt

Doch die ausgeprägte Konzentration auf Übersee birgt spürbare Risiken für die Margenentwicklung. In den Vereinigten Staaten liegen die Medikamentenpreise nach wie vor deutlich über dem Niveau anderer westlicher Länder, teilweise erreichen sie fast das Dreifache.

US-Präsident Donald Trump fordert vehement spürbare Preissenkungen auf dem US-Heimatmarkt und dringt zugleich auf höhere Abgabepreise im Ausland. Sollte der politische Druck die dortigen Erstattungspreise empfindlich treffen, stünde eines der wichtigsten Wachstumsversprechen der Leverkusener vor einer harten Bewährungsprobe.

Gedämpfte Bewertung vor den Quartalszahlen

An den Aktienmärkten spiegelt sich die Gemengelage aus teurem Kapazitätsaufbau und regulatorischer Unsicherheit in anhaltender Zurückhaltung wider. Im Handel notiert das Papier bei 44,56 Euro. Trotz der jüngsten Konsolidierung verzeichnet der Titel seit Jahresanfang ein Kursplus von 20 Prozent.

Rückendeckung erhält die Aktie von Analystenseite: JPMorgan stuft den DAX-Konzern weiterhin mit Overweight ein und veranschlagt das Kursziel bei 61 Euro. Ob die operative Entwicklung mit den langfristigen Ambitionen Schritt hält, wird sich in Kürze zeigen. Bayer legt am 3. November die Geschäftszahlen für das dritte Quartal vor.