Die Erleichterung hielt keine 24 Stunden. Nach dem angekündigten Glyphosat-Vergleich schoss die Bayer-Aktie am Dienstag um mehr als 7 Prozent nach oben und kratzte erstmals seit Sommer 2023 wieder an der 50-Euro-Marke. Heute folgte die Ernüchterung: Ein Minus von über 8 Prozent drückte den Kurs zeitweise unter 45 Euro. Was war passiert?
Der Leverkusener Konzern hatte am Dienstagnachmittag einen umfassenden Sammelvergleich für die US-Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten angekündigt. Bis zu 7,25 Milliarden Dollar sollen über maximal 21 Jahre fließen, die Zahlungen würden jährlich abnehmen und sind gedeckelt. Auf den ersten Blick ein wichtiger Schritt, um die seit Jahren schwelenden Klagen endlich vom Tisch zu bekommen. „Die Vergleichsvereinbarung schafft zusammen mit dem Fall beim Supreme Court einen klaren Weg aus den Unsicherheiten“, erklärte Konzernchef Bill Anderson.
Die großen Fragezeichen bleiben
Doch Anleger und Analysten sehen erhebliche Unwägbarkeiten. Charles Pitman-King von Barclays bringt es auf den Punkt: Was passiert, wenn der Supreme Court nicht zugunsten von Bayer entscheidet? Die Richter müssen klären, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen über dem Recht der Bundesstaaten steht. Die Entscheidung wird gegen Ende Juni erwartet – und von ihr hängt viel ab.
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Etwa 80 Prozent aller Fälle basieren auf dem Vorwurf fehlender Warnhinweise. Ein für Bayer ungünstiger Ausgang würde Kläger betreffen, die dem Vergleich nicht zustimmen. Und genau hier lauert das nächste Risiko: Damit der Deal greift, muss fast die gesamte Klägerschaft zustimmen, so Anderson. Bei rund 197.000 angemeldeten Ansprüchen per Oktober 2025 – von denen damals etwa 132.000 bereits verglichen waren oder die Kriterien nicht erfüllten – keine Kleinigkeit.
Finanzielle Belastung steigt deutlich
Die Rückstellungen und Verbindlichkeiten für Rechtsstreitigkeiten klettern von 7,8 Milliarden Euro Ende September 2025 auf nun 11,8 Milliarden Euro. Davon entfallen allein 9,6 Milliarden auf Glyphosat. Bayer rechnet für 2026 mit Auszahlungen von rund 5 Milliarden Euro für sämtliche Rechtsstreitigkeiten – der freie Cashflow dürfte damit negativ ausfallen.
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Die Finanzierung läuft über eine Kreditlinie von 8 Milliarden Dollar, die später über Anleihen und eigenkapitalähnliche Instrumente refinanziert werden soll. Eine Kapitalerhöhung ist nicht geplant, obwohl sich Bayer auf der Hauptversammlung im April 2025 die Erlaubnis für eine mögliche Erhöhung um bis zu 35 Prozent eingeholt hatte. Die Veröffentlichung der Geschäftszahlen für 2025 wurde auf den 4. März verschoben.
Langfristig bleibt der Blick getrübt
Trotz der jüngsten Erholung seit November – die Aktie legte in diesem Zeitraum rund 64 Prozent zu – bleibt der langfristige Blick ernüchternd. Vor der ersten Niederlage in einem US-Glyphosatverfahren im Sommer 2018 kostete eine Bayer-Aktie noch über 93 Euro. Analysten wie James Quigley von Goldman Sachs sehen zusätzliches Wertpotenzial von 10 Euro je Aktie, sollte der Konzern sich aufspaltenspalten. Anderson bestätigte, dass man sich dem Thema wieder widmen werde – aktuell liege der Fokus aber auf der Lösung der Rechtsstreitigkeiten und dem Schuldenabbau.
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