In St. Louis steht die Entscheidung über den Roundup-Sammelvergleich noch aus, während in Missouri ein neuer Prozess läuft. Wie belastbar ist der rechnerische Wert der Bayer-Sparten angesichts dieser offenen Verfahren? Andreas Sommer schaut auf die Rechnung hinter der Bewertung.

Bayer (DE000BAY0017) — Schlusskurse 15.04.2026 bis 12.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 12.10.2026.
Trading-Treff Redaktion: Angenommen, der US-Sammelvergleich wird genehmigt: Wäre der Abschlag zum Wert der Sparten damit weitgehend erledigt?
Andreas Sommer: Nein, weitgehend wäre mir zu viel. Zwischen dem errechneten Wert der Sparten und dem Börsenwert liegen rund 38 Prozent. Darin steckt reichlich Misstrauen, und eine Genehmigung könnte einen Teil davon abbauen. Eine Genehmigung räumt nicht alle Klagen ab.
Trading-Treff Redaktion: Sie sagen: „Eine Genehmigung räumt nicht alle Klagen ab.“ Warum sollte sie Ihre Bewertung dann überhaupt verändern?
Andreas Sommer: Weil ein genehmigter Vergleich einen großen Teil der bekannten Fälle besser berechenbar machen würde. Das ist etwas wert. Seit Ende September läuft in Missouri allerdings ein neuer Prozess, bei dem die Kläger mit Produktfehlern argumentieren.
Meine Zurückhaltung müsste ich aufgeben, wenn nach der Genehmigung auch solche neuen Verfahren ohne weitere große Zahlungen enden und der Mittelabfluss für Rechtsstreitigkeiten sichtbar sinkt.
Trading-Treff Redaktion: Bayer baut ein neues Pharmawerk in Ohio. Bindet das Geld, das angesichts der offenen Verfahren anderswo gebraucht wird?
Andreas Sommer: Ja, das bindet Geld. Das Werk hat seinen Sinn, aber Bayer muss auch offene Rechnungen bezahlen. Viel Luft bleibt da nicht.
Trading-Treff Redaktion: Die Spartenrechnung ergibt einen erheblichen Abstand zum Börsenwert. Wie viel Schutz bietet dieser Abstand, wenn Bayer bereits Rückstellungen für die Verfahren gebildet hat?
Andreas Sommer: Die 11,8 Milliarden Euro Rückstellungen sind ausgewiesene Vorsorge, keine Obergrenze für weitere Kosten. Wer den Abstand vollständig als Sicherheitspolster verbucht, tut so, als seien die künftigen Zahlungen schon bekannt. Für mich hat das Saatgutgeschäft erheblichen Wert. Wie viel davon den Aktionären bleibt, hängt an den offenen Verfahren.
Trading-Treff Redaktion: Der Analysten-Konsens sieht erhebliches Potenzial, und die FDA hat den Finerenon-Antrag angenommen. Ist Ihre Vorsicht zu zögerlich?
Andreas Sommer: Die Annahme des Antrags zur Antwort auf die nächste Ergebnisvorlage zu machen, geht mir zu schnell. Ich frage stattdessen: Trägt das Agrargeschäft die Erwartungen? Mein faires Niveau von rund 61 Euro liegt praktisch beim Analysten-Konsens.
Der Unterschied liegt in der Gewichtung: Am 3. November werden die Zahlen für das dritte Quartal 2026 früh zeigen, ob zeitliche Verschiebungen im Agrargeschäft das Ergebnis belasten. Die FDA-Nachricht beantwortet das nicht.
Trading-Treff Redaktion: Sie nennen 11,8 Milliarden Euro Rückstellungen. Welches Gesamturteil folgt daraus für die Bewertung?
Andreas Sommer: Ich halte Bayer für die nächsten zwei bis vier Quartale für günstig bewertet, doch den Abstand zum Spartenwert rechne ich nicht als sicheren Gewinn. Zuerst muss das Agrargeschäft die hohen Erwartungen bestehen; schwerer wiegt für mich, ob die Roundup-Verfahren weitere große Zahlungen nach sich ziehen. Die Rückstellungen geben der Bewertung Halt. Ruhe kaufen sie nicht.
Stand heute, 12. Oktober: Bayer – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Bayer investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 12. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

