Zwei Gerichtssiege in den USA verändern den Blick auf Bayer. Die Privatbank Berenberg reagiert und hebt ihr Kursziel deutlich an. Im Raum steht sogar eine mögliche Aufspaltung des Konzerns.
Berenberg sieht neuen Spielraum für Bayer
Berenberg-Analyst Sebastian Bray hebt das Kursziel für Bayer von 40,50 Euro auf 55,00 Euro. Die Einstufung bleibt bei „Hold“. Grund sind zwei juristische Erfolge im Glyphosat-Streit: der Durnell-Fall und eine vorteilhafte Rückverweisung im Vergleichsverfahren in Missouri.
Diese Entwicklung könnte laut Bray eine Aufspaltung des Agrarchemie- und Pharmakonzerns erleichtern. Der Analyst bringt sogar einen teilweisen Börsengang des Agrargeschäfts ins Spiel. Unter dem Namen „Ruveon“ könnte das neue Monsanto-Geschäft eigenständig an die Börse gehen – ähnlich wie BASF es für 2027 plant.
Bayer hat bereits einen ersten Schritt gemacht. Zum 1. Juli 2026 bündelt der Konzern sein US-Glyphosatgeschäft in der neuen Ruveon LLC mit Sitz in St. Louis. Die Einheit bleibt vorerst Teil der Bayer Group und ist Baustein eines mehrjährigen Plans der Crop-Science-Sparte, um das US-Geschäft gezielter aufzustellen.
Zölle gegen China sollen Markt schützen
Neben der juristischen Entspannung bahnt sich für Bayer eine weitere Verbesserung an. Am 30. Juni 2026 stellte der Konzern über Monsanto und Ruveon LLC einen Antrag auf Anti-Dumping- und Ausgleichszölle gegen Glyphosatimporte aus China.
Bayer wirft chinesischen Herstellern vor, den US-Markt mit unterbewertetem Glyphosat zu fluten. Das Unternehmen ist der einzige verbliebene Glyphosat-Produzent in den USA. Die geforderten Zollsätze bewegen sich zwischen 68,9 Prozent und 446,47 Prozent.
Sollte das US-Handelsministerium die Zölle tatsächlich verhängen, würde das Bayers Marktposition erheblich stärken. Die Profitabilität der Agrarsparte könnte davon nachhaltig profitieren. US-Landwirtschaftsverbände kritisieren den Vorstoß allerdings scharf – sie befürchten höhere Kosten für die Bauern.
Kurs pendelt zwischen Rekordlauf und Überhitzung
Die Bayer-Aktie notiert aktuell bei 50,52 Euro und gibt 0,90 Prozent nach, nach einem Schlusskurs von 50,98 Euro am Montag.
Der Rücksetzer fällt nach einer beeindruckenden Rally kaum ins Gewicht: Binnen 30 Tagen legte die Aktie um rund 42 Prozent zu, der RSI von 73,1 signalisiert nun eine kurzfristige Überhitzung.
Entscheidend wird das offizielle Signal aus dem Konzern
Die Glyphosat-Altlast hat Bayer jahrelang belastet. Jetzt rücken juristische Fortschritte und mögliche Zollschutzmaßnahmen die strukturelle Zukunft des Konzerns in den Vordergrund. Berenbergs Kurszielanhebung zeigt: Analysten trauen dem Management wieder proaktive Schritte zu.
Ob Bayer die Spekulationen um einen Ruveon-Spin-off offiziell bestätigt, bleibt bislang offen. Ein solches Signal könnte den seit Jahren bestehenden Konglomeratsabschlag weiter abbauen.
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