Bayer hat mit den Geschäftszahlen zum zweiten Quartal 2026 die Erwartungen der Finanzmärkte klar übertroffen. Der Leverkusener Agrar- und Pharmakonzern meldete am Dienstag ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 0,95 Euro – deutlich mehr als die von Analysten im Konsens erwarteten 0,77 Euro. Auch beim operativen Gewinn lag das Unternehmen über den Prognosen: Das EBITDA vor Sondereinflüssen kletterte um 1,9 Prozent auf 2,144 Milliarden Euro, während Analysten im Schnitt mit 1,94 Milliarden Euro gerechnet hatten.
Der Konzernumsatz wuchs währungs- und portfoliobereinigt um 2,2 Prozent auf 10,872 Milliarden Euro. Die Nettofinanzverschuldung lag zum 30. Juni 2026 bei 33,647 Milliarden Euro. Die Aktie reagierte auf die Zahlen mit deutlichen Kursgewinnen und schloss am Mittwoch bei 49,40 Euro – ein Plus von 2,28 Prozent gegenüber dem Vortag. Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro, erreicht Anfang Juli, fehlen dem Papier damit noch 8,28 Prozent.
Crop Science liefert, Pharma-Sparte schwächelt
Innerhalb des Konzerns zeigte sich ein gemischtes Bild zwischen den Sparten. Die Division Crop Science steigerte ihr EBITDA im zweiten Quartal um 30,2 Prozent auf 902 Millionen Euro und war damit der wichtigste Treiber der positiven Überraschung. Der Pharmasparte gelang das nicht: Das Ergebnis sank hier um 3,6 Prozent auf 1,52 Milliarden Euro. Lichtblick im Pharma-Geschäft bleibt das Krebsmedikament Nubeqa, das im Quartal einen Umsatz von 820 Millionen Euro erzielte – ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Konzernchef Bill Anderson bestätigte im Zuge der Zahlenvorlage, dass das US-Glyphosatgeschäft künftig in einer neuen, eigenständigen Einheit mit dem Namen „Ruveon“ gebündelt wird. Eine vollständige Aufspaltung des Konzerns bleibe laut Management zwar eine strategische Option, stehe aber aktuell nicht unmittelbar bevor.
Analysten heben Kursziele kräftig an
Die überraschend starken Quartalszahlen lösten am Mittwoch eine Serie von Kurszielanhebungen aus. UBS erhöhte ihr Kursziel von 52 auf 62 Euro und bestätigte die Einstufung „Buy“. Goldman Sachs zog nach und hob ihr Ziel von 62,50 auf 63,50 Euro an, ebenfalls mit „Buy“-Votum. Die DZ Bank erhöhte ihren fairen Wert von 54 auf 60 Euro und bekräftigte die Kaufempfehlung. Alle drei Häuser sehen nach den Zahlen also weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial für die Aktie.
Glyphosat-Vergleich verzögert sich
Parallel zur operativen Entwicklung bleibt der juristische Komplex rund um Glyphosat für Anleger ein zentrales Thema. Ein Gericht in Missouri hat die finale Anhörung zur Genehmigung des 7,25 Milliarden US-Dollar schweren Sammelvergleichs verschoben. Statt am 19. August findet der Termin nun erst am 10. September 2026 statt. Grund für die Verzögerung ist laut Mitteilung die zusätzliche Zeit, die für die Bearbeitung von Widerrufsanträgen – sogenannten Opt-outs – benötigt wird. Betroffene Kläger können sich damit weiterhin gegen eine Teilnahme am Vergleich entscheiden, was den endgültigen Umfang der Einigung beeinflussen könnte.
Ein weiterer Rechtskomplex bleibt ungelöst: Im PCB-Fall Erickson steht das Urteil des Washington Supreme Court zur Zulässigkeit von Strafschadenersatz weiterhin aus. Eine Entscheidung in diesem Verfahren könnte richtungsweisend für ähnliche Klagen sein.
Ausblick für Anleger
Für Bayer-Anleger bündeln sich damit zwei gegenläufige Erzählstränge: Auf der operativen Seite überzeugt der Konzern mit besser als erwarteten Zahlen und einer robusten Entwicklung im Agrargeschäft, was sich in den angehobenen Kurszielen der Analysten widerspiegelt. Auf der juristischen Seite sorgt die Verschiebung der Glyphosat-Anhörung auf September für zusätzliche Wartezeit, bevor Klarheit über den Abschluss des milliardenschweren Vergleichs besteht. Der kommende Gerichtstermin am 10. September dürfte damit zum nächsten wichtigen Wegpunkt für die Aktie werden.
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