BayWa kämpft nicht nur mit Schulden. Der Konzern verliert ausgerechnet dort Halt, wo der alte Sanierungsplan besonders stark wirken sollte: bei der Solartochter BayWa r.e. Eine politische Entscheidung in den USA reißt eine Lücke in die Rechnung.
US-Steuerwende trifft BayWa r.e.
BayWa AG hält 51 Prozent an BayWa r.e. Der alte Sanierungsplan setzte bis 2028 auf rund 1,7 Milliarden Euro Verkaufserlös aus dieser Beteiligung. Dieser Baustein trägt nun nicht mehr.
Der Auslöser liegt in Washington. Der Ablauf von US-Steuervergünstigungen für Wind- und Solarprojekte belastet die Projektentwickler in den USA und Europa. BayWa r.e. musste deshalb ihre Mittelfristplanung deutlich senken.
Die neue Prognose sieht für 2030 nur noch 150 Millionen Euro operatives EBITDA vor. Zuvor hatte BayWa r.e. für 2028 noch 230 Millionen Euro erwartet. Damit sinkt der Wert der Beteiligung spürbar.
Für die Mutter ist das mehr als ein Bewertungsproblem. Der geplante Verkaufserlös sollte einen wichtigen Teil der Sanierung finanzieren. Nun muss BayWa das Konzept neu bauen.
Schulden sinken, Lücke bleibt
Beim Schuldenabbau hat BayWa bereits geliefert. Ende Februar 2026 schloss der Konzern den Verkauf von Cefetra ab. Der Erlös senkte die Bankverbindlichkeiten um mehr als 600 Millionen Euro.
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Mit den Verkäufen von RWA, WHG und EDL kommt BayWa auf rund 1,3 Milliarden Euro Entlastung. Das hilft. Es reicht aber nicht.
Nach den bisherigen Angaben fehlen dem Konzern weiter 2,7 Milliarden Euro. Die Stillhaltevereinbarung mit den Banken läuft bis Herbst 2026. Ohne Verlängerung verliert der im Mai 2025 vereinbarte Plan seine Grundlage.
Das neue Konzept sieht harte Einschnitte vor. Gläubiger sollen auf rund eine Milliarde Euro Schulden verzichten. Dazu will BayWa etwa 1.300 Stellen abbauen.
Auch der Konzern selbst soll kleiner werden. Der Umsatz soll bis 2028 auf 10 Milliarden Euro sinken. BayWa zieht sich damit stärker auf ein schlankeres Kerngeschäft zurück.
Die Ernte wird zum Praxistest
Der heikelste Punkt liegt nicht in den Verhandlungsräumen der Banken. Er liegt auf den Höfen. BayWa braucht das Vertrauen der Landwirte, gerade vor der wichtigen Erntesaison.
In vielen Regionen ist der Konzern mehr als ein Händler. BayWa liefert Betriebsmittel, vermarktet Erzeugnisse und bietet Technik. Wenn Kunden in dieser Phase zweifeln, trifft das den Kern des Geschäfts.
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Der Wettbewerbsdruck steigt ebenfalls. Agravis will in Süddeutschland stärker wachsen und sich als Großhandelspartner positionieren. Besonders Saatgut und Futtermittel rücken dabei in den Blick.
Hinzu kommen schwierige Marktbedingungen. Ungünstiges Wetter, die schwache Baukonjunktur und geopolitische Spannungen bremsen das Geschäft. Seit Ende Februar belastet auch der Irankonflikt die Branche über höhere Kosten für Diesel, Dünger und petrochemische Produkte.
Operativ meldet BayWa dennoch Fortschritte. Das bereinigte EBITDA lag zum Jahresstart über den Vorgaben des Sanierungsplans. Auch gegenüber dem Vorjahr schnitt der Konzern besser ab.
Der Umsatz zeigt eine andere Seite. Er fiel im Berichtszeitraum auf 2,3 Milliarden Euro nach 3,6 Milliarden Euro im Vorjahr. BayWa verkauft also weniger, während die Sanierung weiter Geld und Vertrauen kostet.
Transparenz bleibt eine Baustelle
Zur operativen Krise kommt ein Problem beim Berichtswesen. BayWa rechnet damit, den Jahres- und Konzernabschluss 2025 erst gegen Ende 2026 zu veröffentlichen. Grund sind das neue Sanierungskonzept und die Neubewertung von BayWa r.e.
Auch bei der Abschlussprüfung stellt der Konzern um. PwC prüft noch das Geschäftsjahr 2025. Danach soll KPMG übernehmen, wenn die Aktionäre dem Vorschlag des Aufsichtsrats folgen.
Bis Herbst muss BayWa drei Dinge schaffen: die Banken überzeugen, den T&G-Verkauf abschließen und den Abschluss vorlegen. Der wichtigere Test läuft parallel im Tagesgeschäft. Wenn Landwirte zur Ernte verlässlich bei BayWa bleiben, gewinnt die Sanierung Zeit; wenn sie abwandern, hilft auch ein Schuldenschnitt nur begrenzt.
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