Die finanzielle Stabilisierung des BayWa-Konzerns verlangt allen Beteiligten weitreichende Zugeständnisse ab. Nach den Grundsatzentscheidungen der vergangenen Wochen erstreckt sich der Sanierungsfahrplan über mehrere Jahre. Im Mittelpunkt stehen neben dem Schuldenabbau eine Anpassung der Finanzierungsvereinbarungen sowie gezielte Schritte im Beteiligungsportfolio.

Angepasster Zeitplan für die Restrukturierung

Für die finanzielle Sanierung wurde ein zweiter Anlauf genommen, dessen Zeithorizont bis Ende 2030 verlängert wurde. Das Fundament hierfür bildet ein angepasstes Term Sheet zur Sanierungsvereinbarung. Diesem Entwurf haben 267 von 268 Finanzierungspartnern sowie die beiden Großaktionäre zugestimmt. Damit trägt die breite Mehrheit der involvierten Banken und Gläubiger den vereinbarten Restrukturierungskurs grundsätzlich mit.

Der Sanierungsplan verlangt insbesondere von den Gläubigern erhebliche Einschnitte, um die bilanzielle Tragfähigkeit des Unternehmens wiederherzustellen.

Hohe Verluste für Inhaber der Hybridanleihe

Laut Reuters trifft die Neuordnung vor allem die Gläubiger von nachrangigem Kapital. Vorgesehen ist eine Restrukturierung der Hybridanleihe über ein Volumen von 100 Millionen Euro. Deren Inhaber sollen nach der Vereinbarung lediglich 2 Prozent ihres ursprünglichen Kapitals zurückerhalten.

Zudem beinhaltet die Einigung einen vollständigen Verzicht auf sämtliche aufgelaufenen sowie künftigen Zinsansprüche. Dieser massive Schnitt unterstreicht den Sanierungsdruck, unter dem der Agrar- und Handelskonzern agiert.

Verkäufe und Abgrenzung im Portfolio

Parallel zu den Verhandlungen über die Verbindlichkeiten treibt der Konzern Veränderungen in der Beteiligungsstruktur voran. Im Bereich der Ladeinfrastruktur übernahm die EVN Energieservices GmbH sämtliche Anteile an der BayWa Mobility Charging GmbH. Verkäuferin der Gesellschaft war die BayWa Mobility Solutions GmbH.

Dagegen gehört das operative Geschäft der BayWa Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG nicht zum Konzernverbund. Die BayWa AG hatte diese Sparte bereits zur Jahreswende 2011/2012 an den Eigentümer der Hellweg-Gruppe veräußert; der Name wird seither lediglich im Rahmen einer Lizenzvereinbarung weitergeführt.

Stabilisierung am Aktienmarkt

An der Börse spiegeln sich die Fortschritte in einer Beruhigung des Handels wider. Am Freitag schloss das Papier mit einem Zuwachs von 1,7 Prozent bei 8,44 Euro. Für den Konzern beginnt damit eine langwierige Umsetzungsphase, deren Erfolg von der Einhaltung des mehrjährigen Sanierungsplans abhängt.