Der Agrarkonzern BayWa kämpft ums Überleben. Eine Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro drückt auf die Bilanz. Parallel dazu eröffnen Behörden und Aktionäre neue juristische Fronten. Das Sanierungskonzept droht an mehreren Stellen gleichzeitig zu scheitern.
Wirtschaftsprüfer im Visier
Auslöser der aktuellen Krise ist ein Bescheid der Finanzaufsicht BaFin. BayWa verschwieg im Lagebericht 2023 wesentliche Refinanzierungsrisiken. Konkret ging es um einen Milliardenkredit und eine 500-Millionen-Euro-Anleihe. Im Zentrum der Kritik steht nun auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC.
Die Prüfer erteilten für 2023 ein uneingeschränktes Testat. Auf existenzgefährdende Risiken wiesen sie nicht hin. Die Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas ermittelt deshalb gegen PwC. BayWa zieht Konsequenzen und schreibt das Prüfermandat ab 2026 neu aus. Das Management prüft zudem Schadensersatzansprüche gegen die bisherigen Prüfer.
Auch intern droht ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen die früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger. Es geht um Untreue und falsche Bilanzen. Im Januar 2026 durchsuchten Ermittler die Räume. Für beide Manager gilt die Unschuldsvermutung.
Zeitgleich formiert sich Widerstand der Investoren. Die Kanzlei TILP bereitet Schadensersatzklagen für Aktionäre vor. Betroffen sind Käufe zwischen Januar 2022 und Januar 2026. Potenzielle Strafzahlungen würden den ohnehin engen finanziellen Spielraum der Münchner weiter verkleinern.
Ex-Chefs und US-Geschäft belasten
Ein weiterer Rückschlag trifft die Energietochter. Der neue US-Gesetzesentwurf „One Big Beautiful Bill Act“ streicht wichtige Steueranreize für erneuerbare Energien. Die Folge: Der geplante Milliardenverkauf dieser Sparte fällt aus.
BayWa senkt das operative Gewinnziel der Tochter für 2030 drastisch auf 150 Millionen Euro. Ursprünglich waren 230 Millionen Euro im Sanierungsgutachten veranschlagt.
Ein harter Herbst steht bevor
Bis zum Herbst 2026 muss das Unternehmen drei Hürden nehmen. BayWa braucht einen testierten Jahresabschluss für 2025. Die Banken müssen ihre Stillhaltevereinbarung verlängern. Außerdem steht der Verkauf der Neuseeland-Tochter T&G Global aus. Alle drei Punkte sind derzeit völlig offen.
Das neue Sanierungskonzept verlangt harte Einschnitte. Gläubiger sollen auf rund eine Milliarde Euro Schulden verzichten. Der Konzern baut etwa 1.300 Stellen ab. Bis 2028 soll der Umsatz auf zehn Milliarden Euro schrumpfen.
Einige Geldgeber ziehen bereits Konsequenzen. Bayerische Volks- und Raiffeisenbanken haben ein Schuldscheindarlehen über 220 Millionen Euro im Jahresabschluss 2024 bereits zu 60 Prozent abgeschrieben.
Im operativen Geschäft gibt es kleine Lichtblicke. Das bereinigte Ergebnis übertraf im ersten Quartal 2026 die Vorgaben. An der Börse verpufft diese Nachricht völlig.
Die Aktie schloss am Freitag bei 10,80 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust damit auf über 35 Prozent. Der Kurs notiert weit unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 13,04 Euro. Ohne eine Einigung mit den Banken verliert das Sanierungskonzept im Herbst seine rechtliche Basis. Scheitert die Verlängerung, entfällt das Fundament für die gesamte Rettung des Konzerns.
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