BayWa steckt tief in der Krise — und sucht neue Wege. Der angeschlagene Agrar- und Energiekonzern kooperiert ab sofort mit inboxx, dem gemeinsamen Paketstation-Netzwerk von GLS Germany und DPD Deutschland, und macht ausgewählte Tankstellen zu Anlaufpunkten für Paketversand und -empfang.

30 Standorte als Auftakt

Zunächst erhalten 30 BayWa-Tankstellen in Bayern und Teilen Baden-Württembergs offene Paketstationen. Die Auswahl orientiert sich an Erreichbarkeit, Kundenfrequenz und langen Öffnungszeiten. Mittelfristig soll das Netz auf weitere der über 80 BayWa-Tankstellen wachsen.

Das Timing ist kein Zufall. inboxx peilt bis Ende 2027 insgesamt 20.000 Standorte an — BayWa will ein Stück dieses Wachstums für sich nutzen und die eigenen Tankstellen als multifunktionale Servicepunkte neu positionieren.

Kleines Pflaster, große Wunde

Die Kooperation ist ein Signal, aber kein Befreiungsschlag. Die Aktie notiert bei 12,25 Euro — rund 49 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 23,90 Euro, das im Dezember 2025 erreicht wurde. Seit Jahresbeginn hat das Papier knapp 27 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar fast 37 Prozent.

Das Logistik-Zusatzgeschäft ändert nichts an den strukturellen Problemen des Konzerns. Es zeigt allerdings, dass das Management die Tankstelleninfrastruktur aktiver monetarisieren will — ein Ansatz, der bei steigender Paketvolumen-Nachfrage zumindest langfristig Frequenz bringen könnte. Ob das reicht, um den Kurs wieder in Richtung der gleitenden Durchschnitte zu schieben — der 200-Tage-Schnitt liegt bei 15,72 Euro —, hängt von weit mehr als Paketstationen ab.