Die BayWa-Aktie hat am Montag um 3,2 Prozent zugelegt und schloss bei 8,50 Euro. Über einen konkreten Nachrichtenanlass für diesen Kurssprung ist nichts bekannt – die großen Weichenstellungen des Konzerns liegen bereits einige Wochen zurück. Anleger reagieren offenbar auf die Gemengelage aus Sanierungsfortschritt und ungelöster Tochterkrise, ohne dass ein neues Ereignis den Ausschlag gab.

Bau-und-Garten-Tochter bleibt Belastungsfaktor

Die BayWa Bau & Gartenmärkte GmbH & Co. KG hat vor einigen Wochen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angemeldet. Betroffen sind 46 Standorte in Deutschland und sechs in Österreich mit rund 1.300 Beschäftigten, zudem sollen die Zentralen in Garching bei München und Dortmund geschlossen werden.

Rund 340 Mitarbeitende in den beiden Verwaltungsstandorten verlieren ihre Stelle, ihre Gehälter sind laut den vorliegenden Angaben bis Ende November 2026 gesichert.

Für das Filialnetz liegen inzwischen konkrete Übernahmeangebote mehrerer Investoren vor. Die Märkte sollen künftig nicht unter einer einheitlichen Marke weitergeführt werden, sondern auf verschiedene Betreiber verteilt werden. Für Anleger der BayWa AG ist das insofern relevant, als die Tochtergesellschaft zwar rechtlich getrennt insolvent ist, das Filialdrama aber das Bild des angeschlagenen Gesamtkonzerns weiter prägt.

Sanierungskonzept bis 2030 verlängert

Auf Konzernebene hatte sich der Vorstand Anfang Juli mit Gläubigern und den Großaktionären – der Bayerischen Raiffeisen-Beteiligungs-AG sowie der Raiffeisen Agrar Invest AG – auf ein angepasstes Sanierungskonzept verständigt. Finanzierungspartner wandeln demnach Verbindlichkeiten von bis zu 700 Millionen Euro in ein nachrangiges Instrument um, der Sanierungszeitraum wurde bis Ende 2030 gestreckt.

Die beiden Großaktionäre, die zusammen rund 67,1 Prozent der Aktien halten, haben ihre Anteile treuhänderisch übertragen. Eine Rückgabe ist nur möglich, wenn bis 2029 mindestens 220 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung bereitgestellt werden – andernfalls verkauft der Treuhänder die Anteile.

Parallel konzentriert sich der Konzern künftig auf die Kernbereiche Agrar, Technik und Baustoffe. Das Segment Wärme und Mobilität soll bis Ende 2029 veräußert werden, und auch bei BayWa r.e. laufen Restrukturierung und ein späterer Verkauf, die zusammen bis zu 900 Millionen Euro an Verbindlichkeiten zurückführen sollen.

Zahlen zeigen tiefen Umsatzeinbruch

Im ersten Quartal 2026 brach der Konzernumsatz auf 2,3 Milliarden Euro ein, verglichen mit 3,6 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITDA lag zwar über den Vorgaben des Sanierungsplans, doch die Bilanzlage bleibt angespannt: Der Jahresabschluss 2025 konnte nicht fristgerecht veröffentlicht werden, eine Standstill-Vereinbarung mit den Banken läuft nur bis Herbst 2026.

Am Kapitalmarkt spiegelt sich die Unsicherheit deutlich wider. Die Aktie notiert rund 40 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt und liegt seit Jahresbeginn 49 Prozent im Minus.

Der jüngste Kurssprung ändert daran wenig – gemessen am 52-Wochen-Hoch von 23,90 Euro aus dem Dezember beträgt der Abstand weiterhin 64 Prozent. Solange die Standstill-Frist im Herbst näher rückt und der Verkaufsprozess bei der Baumarkt-Tochter sowie bei BayWa r.e. nicht abgeschlossen ist, dürfte die Aktie volatil bleiben.