BayWa muss die Veröffentlichung des Konzernabschlusses 2025 ein weiteres Mal verschieben. Wie der Agrarhändler und Baustoffkonzern heute mitteilte, lassen komplexe Bewertungsfragen im Zuge der laufenden Restrukturierung eine Vorlage erst im vierten Quartal 2026 zu. Im selben Zug kündigte das Unternehmen im Rahmen des erweiterten Sanierungskonzepts den vollständigen Rückzug aus dem Bereich Wärme und Mobilität bis Ende 2029 an.

Die Nachricht reiht sich in eine lange Kette von Verzögerungen und Strukturmaßnahmen ein, die den einstigen Genossenschaftskonzern seit Monaten prägen. Am Markt zeigt sich die Belastung deutlich: Die Aktie notiert aktuell bei 10,05 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn 40,18 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Tief von 9,72 Euro, das erst Mitte Juni markiert wurde, beträgt der Abstand nur noch 3,40 Prozent – von einer Stabilisierung kann derzeit keine Rede sein.

Kontrolle geht an Treuhänder über

Erst gestern hatten die Großaktionäre Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und Raiffeisen Agrar Invest AG ihre gemeinsamen Stimmrechte von rund 67,1 Prozent an einen Treuhänder übertragen. Eine Rückübertragung ist an eine Eigenkapitalzufuhr von 220 Millionen Euro gebunden, die erst im Jahr 2029 fällig wird. Damit verlieren die bisherigen Kernaktionäre für Jahre den unmittelbaren Einfluss auf die Geschicke des Konzerns – ein ungewöhnlicher Schritt, der die Tiefe der Krise unterstreicht.

Parallel dazu arbeitet BayWa an der operativen Fokussierung. Anfang Juli eröffnete das Unternehmen modernisierte Baustoffstandorte in Schwabmünchen und Bad Brückenau, um das regionale Kerngeschäft im Rahmen der laufenden Sanierungsstrategie zu stärken. Solche Schritte sollen zeigen, dass abseits der Sanierungsverhandlungen noch operative Substanz vorhanden ist.

Gläubiger tragen Sanierungslast

Bereits Ende Juni hatte sich BayWa grundsätzlich mit ihren Gläubigern auf eine Anpassung der Sanierungsvereinbarung bis 2030 verständigt. Kernpunkt ist die Umwandlung von 700 Millionen Euro an Verbindlichkeiten in nachrangige Finanzinstrumente, um die Eigenkapitalbasis zu stärken. Die Vereinbarung soll im Herbst final ausgehandelt werden – ein Termin, den Anleger genau im Blick behalten dürften, da von ihm die künftige Kapitalstruktur des Konzerns abhängt.

Die Ursachen der Schieflage reichen weit zurück. Die FAZ analysierte Ende Juni eine über 15 Jahre andauernde, aus ihrer Sicht „wilde Expansionsstrategie“ der früheren Unternehmensführung als Auslöser der heutigen existenzbedrohenden Krise. Verschärft wird die Lage durch strafrechtliche Ermittlungen: Die Staatsanwaltschaft München prüft seit April einen Untreue-Verdacht gegen frühere Führungskräfte, nachdem die BaFin Fehler im Jahresabschluss 2023 festgestellt hatte.

Entschuldung schreitet voran

Auf der operativen Seite kommt die Entschuldung voran. Im Februar hatte ein Investorenkonsortium den Erwerb der Cefetra Group B.V. von BayWa für rund 125 Millionen Euro final abgeschlossen – ein Baustein zur Reduzierung der Konzernverschuldung. Im Mai vermeldete BayWa für das erste Quartal 2026 einen planmäßigen Umsatzrückgang auf 2,3 Milliarden Euro nach 3,6 Milliarden Euro im Vorjahresquartal, bedingt durch Entkonsolidierungen. Das bereinigte EBITDA lag dabei über den Vorgaben des Sanierungsplans.

Personell bleibt der Umbruch ebenfalls spürbar: Der bereits im Januar mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand ausgeschiedene Ex-CEO Frank Hiller verlässt das Unternehmen nun endgültig, sein Dienstverhältnis endet regulär am 31. Juli. Anleger richten den Blick nun auf den Herbst, wenn die finale Sanierungsvereinbarung stehen soll, und auf den 30. Oktober, wenn der Konzernfinanzbericht 2025 schließlich veröffentlicht werden soll.