Die Sanierung des Münchner Agrar- und Energiekonzerns BayWa nimmt Konturen an – doch der Preis dafür ist hoch. Die Großaktionäre haben ihre Stimmrechte an einen Treuhänder abgegeben, Gläubigerbanken wandeln Schulden in großem Stil um, und parallel ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen frühere Vorstände. Die Aktie notiert unterdessen nur knapp über ihrem Jahrestief.

Treuhänder-Lösung mit Bedingung für 2029

Am Montag wurde bekannt, dass die Großaktionäre Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und Raiffeisen Agrar Invest AG ihre Stimmrechte an BayWa – zusammen rund 67,1 Prozent der Anteile – an einen Treuhänder übertragen. Laut FINANCE Magazin ist die Rückübertragung der Stimmrechte an eine Bedingung geknüpft: Die Aktionäre müssen bis 2029 eine Kapitalzufuhr von mindestens 220 Mio. Euro leisten. Erst dann fällt die Kontrolle wieder an die bisherigen Eigentümer zurück. Bis dahin liegt die Steuerung der wichtigsten Beteiligungsrechte in externer Hand.

Diese Konstruktion ist Teil eines erweiterten Sanierungskonzepts, auf das sich BayWa mit Gläubigerbanken und den Großaktionären grundsätzlich verständigt hat. Kern der Einigung ist die Umwandlung von Schulden in Höhe von 700 Mio. Euro in Nachranginstrumente. Zugleich wird die Sanierungsphase bis Ende 2030 verlängert – deutlich länger als ursprünglich vorgesehen. Für die Banken bedeutet das: Sie geben dem Konzern mehr Zeit, verzichten dafür aber auf einen Teil ihrer regulären Forderungen.

Ermittlungen gegen frühere Vorstände

Während der finanzielle Rettungsplan Gestalt annimmt, holt die Vergangenheit den Konzern ein. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen mehrere ehemalige Vorstandsmitglieder der BayWa – der Verdacht lautet auf Untreue im Zusammenhang mit der Expansionsstrategie der vergangenen Jahre, wie der Tagesspiegel berichtete. Die Ermittlungen richten sich damit gegen genau jene Geschäftspolitik, die den Konzern in die heutige Schieflage gebracht haben soll.

Auf der Kapitalseite des Aufsichtsrats hat bereits ein personeller Umbau stattgefunden: Ein Gericht bestellte im Juni Ines Kapphan, Solveig Menard-Galli und Christine Rittner-Koch als neue Mitglieder. Sie ersetzen Michael Höllerer, Monika Hohlmeier und Monique Surges. Der Wechsel an der Kontrollspitze fällt zeitlich mit der Verschärfung der juristischen Aufarbeitung zusammen und signalisiert einen personellen Neuanfang, während die alte Führungsriege rechtlich in die Verantwortung genommen wird.

Wie ernst die Lage aus Sicht der Gläubiger ist, zeigt ein weiterer Vorgang: Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken schrieben ein Schuldscheindarlehen an BayWa über 220 Mio. Euro im Rahmen ihres Jahresabschlusses um 60 Prozent ab. Ein deutliches Signal, dass selbst die eng verbundenen Genossenschaftsbanken nicht mehr mit einer vollständigen Rückzahlung rechnen. Immerhin konnte BayWa im ersten Quartal 2026 mit dem finalen Verkauf der Cefetra Group Liquidität schaffen: Die Erlöse von über 600 Mio. Euro flossen komplett in die Tilgung von Bankverbindlichkeiten. Bereits im Herbst 2025 hatte der Vorstand die Ergebnisprognose für das Segment Regenerative Energien zurückgezogen, nachdem regulatorische Änderungen in den USA Neubewertungen bei Projekten der Tochter BayWa r.e. nötig gemacht hatten – ein früher Vorbote der heutigen Schwierigkeiten.

Kurs nahe Jahrestief

Die Börse spiegelt die angespannte Lage wider. Am Montag schloss die Aktie bei 10,10 Euro, ein Minus von 0,98 Prozent zum Vortag. Seit Jahresbeginn steht ein Kursverlust von 39,88 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Tief bei 9,72 Euro, markiert erst am 19. Juni, trennen das Papier nur noch 3,91 Prozent – die Aktie bewegt sich damit weiterhin in unmittelbarer Nähe ihres Jahrestiefs.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein tragfähiges Sanierungskonzept liegt vor, doch es ist an Bedingungen geknüpft, deren Erfüllung erst 2029 feststeht. Gleichzeitig drohen aus den strafrechtlichen Ermittlungen weitere Belastungen, deren Ausgang offen ist.