Es gibt Konzerne, an denen sich ablesen lässt, wie brüchig ein ganzes Geschäftsmodell geworden ist. BayWa ist gerade so ein Fall. Was einst ein bodenständiger Agrarhändler mit Baumarkt-Anhängsel und einem ambitionierten Erneuerbaren-Arm war, zerfällt derzeit in seine Einzelteile – Stück für Stück, Meldung für Meldung.

Die jüngste Etappe: Die Sanierung der insolventen BayWa Bau- & Gartenmärkte und der Hellweg-Gruppe läuft offenbar auf die Schließung der Zentralen in Dortmund und Garching hinaus. Rund 340 Beschäftigte sind betroffen.

Immerhin liegen für viele Filialen bereits Übernahmeangebote vor, und die Finanzierung des laufenden Geschäfts soll noch für einige Monate gesichert sein. Das ist die gute Nachricht in einer insgesamt bitteren Geschichte, die seit dem 17. Juni läuft: An diesem Tag begann für 46 deutsche und sechs österreichische Standorte mit rund 1.300 Mitarbeitenden das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

Der Ausverkauf als System

Parallel zur Baumarkt-Misere zerlegt sich auch das internationale Solargeschäft. Die australische Wettbewerbsbehörde prüft aktuell den Verkauf von Teilen der BayWa Solar Systems an Metal Manufactures, besser bekannt als MM Electrical Merchandising.

Bis zum 24. August sammelt die Behörde noch Stellungnahmen – ein weiterer Baustein in einem Muster, das sich durch den gesamten Konzern zieht: Verkaufen, was sich verkaufen lässt, um die Substanz zu retten.

Und genau hier wird die Aktie zum Fallbeispiel für einen größeren Trend. Wer in den vergangenen Jahren auf grüne Infrastruktur als sicheren Wachstumsmarkt gesetzt hat, muss bei BayWa r.e. gerade eine schmerzhafte Lektion lernen.

Die NZZ berichtete kürzlich über das Engagement von Energy Infrastructure Partners bei der Tochter – nach nur fünf Jahren sei die Investition den vorliegenden Unterlagen zufolge „fast wertlos“, allein binnen eines Jahres soll ein Minus von 87 Prozent aufgelaufen sein. Das ist kein normaler Bewertungsabschlag, das ist ein Offenbarungseid für ein Geschäftsmodell, das auf immer günstigeres Fremdkapital und immer neue Projektfinanzierungen angewiesen war.

Die Rettung als Verhandlungsmasse

Wie also soll aus den Trümmern etwas Tragfähiges entstehen? Ein Sanierungskonzept, über das im Juli berichtet wurde, zeichnet den Weg vor: Die Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten sollen bis 2030 verlängert, Zinszahlungen reduziert werden.

BayWa r.e. selbst soll an einen bislang nicht benannten „Transformations-Gesellschafter“ übergehen – während sowohl BayWa als auch Energy Infrastructure Partners auf Forderungen verzichten sollen. Das ist ein Offenbarungseid in Zahlen gegossen: Wer hier noch investiert ist, verhandelt nicht über Rendite, sondern über den Grad des Verlusts.

Der Kurs selbst spiegelt dieses Ringen in seiner ganzen Volatilität. Am heutigen Dienstag legt die Aktie um 5,7 Prozent zu, nachdem sie bereits über die vergangene Woche rund 12 Prozent gewonnen hat – ein Muster, das sich in den vergangenen Monaten wiederholt hat: Kurzfristige Sprünge ohne klaren Nachrichtenanlass, gefolgt von neuen Belastungen aus der Sanierung.

Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 47 Prozent zu Buche, ein Wert, der die grundsätzliche Schieflage besser beschreibt als jeder Tagesausschlag.

Was von der alten BayWa bleibt

Für Analysten gibt es aktuell wenig Neues zu vermelden – belastbare Kursziel-Updates aus den vergangenen Wochen liegen nicht vor. Das ist bezeichnend für eine Aktie, die sich derzeit weniger nach fundamentalen Kennziffern als nach dem Fortgang eines Insolvenzverfahrens und einer Konzern-Zerschlagung richtet.

Was am Ende von BayWa übrig bleibt, ist offen. Baumärkte werden verkauft oder geschlossen, Solargeschäfte gehen an internationale Käufer, die Erneuerbaren-Tochter soll komplett den Besitzer wechseln. Die eigentliche Frage lautet nicht mehr, ob sich die Aktie erholt – sondern welcher Kern von BayWa am Ende dieses Prozesses überhaupt noch existiert.