BayWa steckt tief in der Sanierung. Jetzt meldet sich Bayerns Genossenschaftspräsident Stefan Müller zu Wort und verteidigt das überarbeitete Rettungspaket öffentlich. Sein Kernbotschaft im „Handelsblatt“-Interview vom 15. Juli: Der Konzern muss sich auf seine traditionellen Wurzeln zurückbesinnen.

Müller bezeichnet eine Insolvenz als „Totalschaden“ für die Systemrelevanz des Unternehmens. Sein Rezept: Fokus auf Agrarhandel, Landtechnik und Baustoffe. Diese Geschäftsfelder machten BayWa einst stark.

Trennung von der Ökostromtochter

Im Zentrum des neuen Sanierungskonzepts steht die Abspaltung von BayWa r.e. Die einst gefeierte Ökostromtochter schreibt rote Zahlen. Der Konzern will die Anteile jetzt an einen sogenannten „Transformations-Gesellschafter“ übertragen.

Das Ziel: BayWa r.e. verschwindet aus der Konzernbilanz. Die Restrukturierung und ein späterer Verkauf werden so einfacher. BayWa-Aktionäre und der Co-Investor EIP müssen dafür auf bestehende Forderungen verzichten, bleiben aber am Verkaufserlös beteiligt.

Bis zu 900 Millionen Euro sollen aus diesem Verkauf zurück an die Gläubiger fließen. Das Geld soll einen Teil der Verbindlichkeiten tilgen.

Großaktionäre müssen liefern

BayWa hat sich mit den wichtigsten Finanzierungspartnern und den beiden Großaktionären grundsätzlich geeinigt. Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und Raiffeisen Agrar Invest AG halten zusammen rund 67,1 Prozent der Anteile. Der Sanierungszeitraum verlängert sich bis Ende 2030.

Ein weiterer Baustein: Bis zu 700 Millionen Euro an Finanzverbindlichkeiten wandelt BayWa in ein nachrangiges Instrument um. Das stärkt das wirtschaftliche Eigenkapital. Die Großaktionäre übertragen ihre Aktien treuhänderisch.

Die Bedingung dahinter ist hart. Nur wenn die Aktionäre bis 2029 mindestens 220 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung bereitstellen, bekommen sie ihre Papiere zurück. Erfüllen sie diese Auflage nicht, darf der Treuhänder das Aktienpaket verkaufen.

Managementfehler und die Suche nach einem CEO

Müller macht die schuldenfinanzierte Expansion in erneuerbare Energien für die Schieflage verantwortlich. Er sieht darin einen zentralen Managementfehler der vergangenen Jahre. Zugleich drängt er auf eine schnelle Besetzung des CEO-Postens, der seit Monaten unbesetzt ist.

Eine Führungspersönlichkeit mit klarem Fokus auf das Kerngeschäft soll den Konzern jetzt vorantreiben. Ob das gelingt, hängt auch von der Umsetzung des komplexen Sanierungsplans ab.

Aktie bleibt unter Druck

Die BayWa-Aktie notiert am Freitag bei 10,85 Euro, ein Rückgang von 3,56 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits 35,42 Prozent verloren. Die hohe Volatilität von knapp 76 Prozent auf Jahressicht zeigt: Der Markt bleibt trotz der Sanierungsfortschritte nervös.

Entscheidend wird jetzt das Tempo. Bis Herbst 2026 will BayWa die Grundsatzeinigung in eine rechtsverbindliche Vereinbarung überführen. Erst dann zeigt sich, ob die Rückbesinnung auf Agrarhandel, Landtechnik und Baustoffe tatsächlich die Stabilität bringt, die der Konzern jetzt braucht.