Staatsanwaltschaft, Aufsichtsbehörden, Anlegerklagen — BayWa steckt tief in einem juristischen Mehrfrontenkrieg. Während die Aktie am Freitag um gut sechs Prozent zulegte, bleibt das fundamentale Bild angespannt.

Ermittlungen gegen frühere Vorstände

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen ehemalige Vorstände, darunter Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger. Der Verdacht: Untreue und falsche Darstellung von Liquiditätsrisiken. Ausgelöst hat die Ermittlungen eine Rüge der BaFin. Die Aufsicht kritisierte den Lagebericht für 2023 scharf. Konkret soll das Management Details zu einem Milliardenkredit und zu Refinanzierungsrisiken einer 500-Millionen-Euro-Anleihe verschwiegen haben.

Das trifft das Unternehmen in einer ohnehin heiklen Phase. BayWa arbeitet gerade an einem umfassenden Sanierungsplan — und braucht dafür das Vertrauen von Banken und Kapitalmarkt.

PwC unter Druck, KPMG übernimmt

Auch der frühere Abschlussprüfer PricewaterhouseCoopers gerät unter Beschuss. Die Prüfaufsicht Apas ermittelt, weil PwC für 2023 ein uneingeschränktes Testat erteilte — ohne existenzgefährdende Risiken zu erwähnen. BayWa prüft eigene Schadensersatzansprüche gegen PwC. Das Prüfungsmandat für 2026 ging an KPMG.

Die Kanzlei TILP sammelt parallel Aktionäre, die zwischen 2022 und Anfang 2026 BayWa-Papiere kauften. Ziel sind Schadensersatzklagen gegen den Konzern, frühere Vorstände und PwC.

Kritische Fristen bis Herbst

Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten knapp 40 Prozent verloren. Seit Jahresanfang steht ein Minus von 28,66 Prozent. Die annualisierte Volatilität liegt bei fast 78 Prozent — ein Zeichen dafür, wie nervös der Markt auf jede neue Meldung reagiert.

Bis Herbst 2026 muss BayWa drei kritische Aufgaben erledigen: den Jahresabschluss 2025 fertigstellen, die Stillhaltevereinbarungen mit Banken verlängern und den Verkauf der Neuseeland-Tochter T&G Global abschließen. Gelingt das nicht im Takt, dürfte die kurzfristige Kurserholung schnell wieder Geschichte sein.