Zahlreiche Schadensersatzklagen, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen und eine milliardenschwere Finanzierungslücke. BayWa kämpft an mehreren Fronten. Der Agrarkonzern arbeitet seinen Sanierungsplan ab. Im gleichen Schritt wächst der juristische Druck auf das Unternehmen. Anleger reagieren nervös. Die Aktie knickte am Mittwoch um 7,53 Prozent auf 12,90 Euro ein. Seit Jahresbeginn summiert sich das Kursminus auf knapp 23 Prozent.

Juristische Einschläge mehren sich

Den Ausgangspunkt bildet eine formelle Rüge der Finanzaufsicht BaFin. BayWa verschwieg im Lagebericht 2023 wesentliche Details zu einem Milliardenkredit. Auch Refinanzierungsrisiken einer Anleihe fehlten.

Die Kanzlei TILP sieht darin ein klares Signal und bereitet Schadensersatzansprüche für Aktionäre vor. Im Visier stehen frühere Vorstandsmitglieder und der Abschlussprüfer PricewaterhouseCoopers.

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt bereits wegen des Verdachts auf Untreue und falscher Darstellung im Jahresabschluss. Im Fokus stehen die früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Abschlussprüfer und Banken im Fokus

PricewaterhouseCoopers erteilte für das Vorjahr ein uneingeschränktes Testat. Existenzgefährdende Risiken blieben unerwähnt. Die Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas hat deshalb ein Verfahren eingeleitet. BayWa schreibt das Prüfermandat ab 2026 neu aus.

Trotz der juristischen Eskalation bleibt das operative Schicksal an die Banken gebunden. DZ Bank und UniCredit müssen die Stillhaltevereinbarung verlängern. Die Frist läuft bis Herbst 2026. Ohne diese Verlängerung verliert der Sanierungsplan seine rechtliche Basis.

Wie ernst die Kreditgeber die Lage sehen, zeigt ein Bilanzdetail. Institute schrieben bereits 60 Prozent eines ausstehenden Schuldscheindarlehens ab.

Asset-Verkäufe stocken

Als weiteren Sanierungsbaustein plant BayWa den Verkauf der Tochter T&G Global. Goldman Sachs begleitet den Prozess. T&G verbesserte das operative Ergebnis 2024 auf 12,7 Millionen NZ-Dollar. Unterm Strich blieb ein Nettoverlust von knapp zehn Millionen NZ-Dollar.

Ein Problem: Die Hongkonger Minderheitsaktionärin Joy Wing Mau Group bremst den Verkaufsprozess. Die erwarteten Erlöse von rund 300 Millionen Euro füllen die Lücke in der Kasse ohnehin kaum.

Die Folge: Investoren tappen im Dunkeln. Belastbare Fundamentaldaten fehlen. BayWa veröffentlicht den testierten Konzernabschluss für 2025 erst im vierten Quartal.

Der Vorstand hat die Prognose für das laufende Jahr gestrichen. Das operative Ziel für 2027 sinkt auf 140 Millionen Euro. Bis 2028 soll der Konzern stark schrumpfen.

Der Umsatz soll sich deutlich auf rund zehn Milliarden Euro verringern. Über tausend Stellen fallen weg. Die Entscheidung der Banken im Herbst 2026 bestimmt über den Erfolg dieses Umbaus.