Für BayWa läuft die Zeit ab. Es tickt keine normale Konjunkturuhr. Es ist eine Sanierungsuhr. Der Münchner Agrarkonzern manövrierte sich in eine gefährliche Lage. Drei Bedingungen müssen eintreten, damit das Restrukturierungsgerüst hält. Bricht ein Pfeiler weg, stürzt der gesamte Umbau ein. Kurz gesagt: ein Drahtseilakt.

Null Toleranz bis Herbst 2026

Bis Herbst 2026 entscheidet sich das Schicksal des Unternehmens. Erstens muss der testierte Jahresabschluss für 2025 vorliegen. Zweitens müssen die Banken ihre Stillhaltevereinbarung verlängern. Drittens muss der Verkauf der Neuseeland-Tochter T&G Global abgeschlossen sein. Alle drei Punkte sind derzeit völlig offen.

Den Jahresabschluss für 2025 verschob das Management auf das vierte Quartal 2026. Die dafür nötigen Wertberichtigungen sind zu komplex. Parallel dazu überarbeitet BayWa das Sanierungskonzept. Erst danach kann der Prüfer sein Testat erteilen. Das birgt juristischen Zündstoff. Der bisherige Prüfer PwC hatte für 2023 ein uneingeschränktes Testat ausgestellt. Existenzgefährdende Risiken blieben unerwähnt. Jetzt ermittelt die Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas gegen PwC. BayWa sucht einen neuen Prüfer und prüft Schadensersatzansprüche.

Der zähe Verkauf von T&G Global

Beim Verkauf der neuseeländischen Obsttochter hakt es gewaltig. Goldman Sachs sucht seit März 2026 einen Käufer für den Anteil von 74 Prozent. T&G Global vermarktet Apfelmarken in über 60 Ländern. Das Geschäft läuft gut: T&G kehrte 2024 mit 16 Millionen US-Dollar Nettogewinn in die Gewinnzone zurück. Der Umsatz lag bei 1,3 Milliarden US-Dollar.

BayWa erhofft sich einen Erlös von rund 300 Millionen Euro. Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Konzern benötigt vier Milliarden Euro zur Stabilisierung. Bislang sicherte das Management erst 1,3 Milliarden Euro. Ein Minderheitsaktionär aus Hongkong verkompliziert den Verkaufsprozess. Er hält knapp 20 Prozent an T&G Global. Eine Entscheidung über den Verkauf steht noch aus.

Schrumpfkur im operativen Geschäft

Inmitten der Krise liefert das operative Geschäft kleine Lichtblicke. Das bereinigte operative Ergebnis übertraf im ersten Quartal 2026 die Vorgaben. Es lag klar über dem Vorjahresniveau. Der Konzernumsatz sank derweil auf 2,3 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 3,6 Milliarden Euro.

Dieser Rückgang ist ein bewusster Schritt. BayWa schrumpft, um die erdrückenden Schulden zu senken. Allein die verkaufte RWA lieferte im Vorjahr noch 800 Millionen Euro Umsatz. Externe Belastungen erschweren die Lage. Der Irankonflikt treibt seit Ende Februar die Preise für Diesel und Düngemittel nach oben. Das trifft die Agrar- und Baustoffbranche hart.

Gläubiger ziehen die Reißleine

Der Finanzmarkt verliert offensichtlich den Glauben an die Rettung. Gläubiger schreiben ihre Forderungen aus Schuldscheindarlehen laut Marktberichten bereits zu 60 Prozent ab. Der Genossenschaftsverband Bayern schlug intern Alarm. Er warnte seine Mitgliedsbanken vor drohenden Komplettabschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe.

Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken strichen bereits 2024 einen Großteil ihrer Forderungen zusammen. Sie schrieben 60 Prozent eines großen Schuldscheindarlehens ab. Das Darlehen umfasste ursprünglich 220 Millionen Euro.

Die Brisanz: Der bayerische Genossenschaftssektor ist der größte Aktionär. Er hält 36,5 Prozent an BayWa. In den vergangenen zwei Jahren pumpte der Sektor rund 550 Millionen Euro in den Krisenkonzern.

Das eigentliche Strukturproblem

Agrarhandel und Baustoffe sind keineswegs sterbende Sektoren. Das wahre Problem liegt tiefer. Eine auf Pump finanzierte Expansion trieb BayWa an den Rand der Insolvenz. Reicht ein teilweiser Schuldenerlass aus, um das Erbe dieser verfehlten Strategie abzuwerfen? Der bisherige Sanierungsplan baute auf einem massiven Geldregen auf. BayWa wollte 51 Prozent der Energietochter BayWa r.e. für 1,7 Milliarden Euro verkaufen. Das schwache Marktumfeld für erneuerbare Energien in den USA macht diesen Plan unrealistisch.

Bis Mitte 2026 soll ein neues Konzept vorliegen. Es verlangt drastische Einschnitte. Gläubiger sollen auf rund eine Milliarde Euro verzichten.

Zusätzlich streicht das Unternehmen 1.300 Stellen. Den Umsatz kappt BayWa bis 2028 auf zehn Milliarden Euro.

Der Zeitplan duldet keine Verzögerungen. Im Herbst 2026 müssen alle drei Bedingungen zwingend erfüllt sein. Bricht auch nur eine weg, stürzt der gesamte Umbauplan endgültig in sich zusammen.