BayWa hat mit seinen Gläubigerbanken und den beiden Großaktionären eine Grundsatzeinigung erzielt. Die akute Existenzgefahr ist damit vorerst gebannt. Für die Aktionäre beginnt jetzt aber erst die eigentliche Zitterpartie.

Der Markt bleibt skeptisch. Am Donnerstag verlor das Papier 2,40 Prozent und schloss bei 10,15 Euro. Damit notiert die Aktie nur noch 4,4 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 9,72 Euro.

Eine Einigung unter Vorbehalt

Die Hoffnung auf Stabilisierung stützt sich derzeit auf eine vorläufige Vereinbarung. Sie soll den Sanierungszeitraum bis Ende 2030 verlängern. Kernstück ist die geplante Umwandlung von Finanzverbindlichkeiten in Höhe von bis zu 700 Millionen Euro in nachrangige Instrumente. Das würde die Eigenkapitalbasis stärken, ohne die Liquidität sofort zu belasten.

Rechtlich bindend ist davon noch nichts. Die zuständigen Gremien müssen erst zustimmen. Erst im Herbst 2026 soll aus der Grundsatzverständigung eine finale Sanierungsvereinbarung werden. Parallel dazu bleiben die Kreditrückzahlungen bis dahin ausgesetzt – das verschafft dem Management Zeit, hält die Aktie aber in einem Zustand extremer Schwankungsbreite.

Die entscheidende Kennzahl: das Testat

Wichtiger als jede politische Zusage der Banken dürfte ein anderer Termin werden: die Veröffentlichung des geprüften Jahres- und Konzernabschlusses für 2025. Wegen komplexer Bewertungsfragen im Zuge der Restrukturierung verzögert er sich voraussichtlich bis ins vierte Quartal 2026. Bis dahin agieren Investoren im Blindflug.

Solange kein uneingeschränktes Testat der Wirtschaftsprüfer vorliegt, bleibt die Sorge vor unentdeckten Abschreibungen im Raum. Besonders die Tochtergesellschaft BayWa r.e. steht dabei im Fokus. Genau das dürfte das beherrschende Thema an der Börse bleiben, bis Klarheit herrscht.

Das optimistische Szenario: Kerngeschäft trägt

Für eine Erholung spricht die operative Stabilität im angestammten Geschäft. Laut Zwischenberichten haben die Bereiche Agrarhandel, Landtechnik und Baustoffe im ersten Quartal 2026 die Ziele des Sanierungsplans teilweise übertroffen.

Gelingt der Rückzug aus dem Segment „Wärme und Mobilität“ bis 2029 ohne größere Verluste, könnte das die Basis für eine Neubewertung legen. Ein Teilverkauf der BayWa r.e. an einen „Transformations-Gesellschafter“ – laut Medienberichten in den kommenden Wochen möglich – würde die Bilanz zusätzlich entlasten. In diesem Fall könnte die Aktie beginnen, ihren Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt abzubauen, der aktuell bei minus 30,19 Prozent liegt.

Das Risikoszenario: Treuhand und Bewertungslücke

Dem optimistischen Bild stehen erhebliche strukturelle Risiken gegenüber. Die beiden Großaktionäre halten zusammen rund 67,1 Prozent der Anteile. Sie haben ihre Stimmrechte bereits treuhänderisch übertragen – ein deutliches Signal für den faktischen Kontrollverlust der bisherigen Ankerinvestoren.

Die Rückübertragung der Anteile hängt an einer für 2029 geplanten Kapitalzufuhr von mindestens 220 Millionen Euro. Scheitert diese Kapitalstärkung, droht eine dauerhafte Neuordnung der Eigentümerstruktur zulasten der Altaktionäre.

Hinzu kommt die sogenannte „1,7-Milliarden-Lücke“. Die ursprünglich eingeplanten Verkaufserlöse aus dem Erneuerbare-Energien-Geschäft haben sich wegen des schwierigen Marktumfelds in Europa und den USA fast halbiert. Sollte die finale Sanierungsvereinbarung im Herbst zusätzliche harte Auflagen der Banken vorsehen, könnte die Aktie unter ihr bisheriges Jahrestief fallen. Als weiteres rechtliches Risiko schweben die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I gegen frühere Führungskräfte wegen des Verdachts der Untreue über dem Konzern.

Entscheidung im Herbst

Solange die rechtsverbindliche Sanierungsvereinbarung nicht unterschrieben ist, bleibt BayWa ein hochspekulatives Investment. Das Minus von 39,58 Prozent seit Jahresanfang spiegelt diese Unsicherheit deutlich wider.

Entscheidend wird das Zeitfenster im Herbst 2026. Gelingt die finale Unterschrift unter das Vertragswerk und kann das Management gleichzeitig einen konkreten Vollzug beim Verkauf von Randaktivitäten vorweisen, spricht viel für eine erste Bodenbildung. Kippt dagegen die Stimmung der Gläubiger wegen enttäuschender Erlöse aus dem r.e.-Geschäft, oder verzögert sich das Testat über das vierte Quartal hinaus, dürfte sich der Abwärtstrend fortsetzen – auf Jahressicht steht bereits ein Minus von 51,90 Prozent zu Buche. Zwei Signale verdienen in den kommenden Wochen besondere Aufmerksamkeit: die Kommunikation zur geplanten Kapitalerhöhung und der Fortschritt bei der Entkonsolidierung der Ökostromtochter.