Der Abgang von PricewaterhouseCoopers als Abschlussprüfer bei BayWa wäre unter normalen Umständen eine Routineangelegenheit. Bei dem angeschlagenen Münchner Agrarkonzern markiert er das nächste Kapitel einer Krise, die inzwischen Aufsichtsbehörden, Staatsanwaltschaft und Aktionärskanzleien gleichzeitig beschäftigt.
Testat mit Lücken — und die Folgen
Der Auslöser für den Prüferwechsel ist eindeutig: PwC hatte für das Geschäftsjahr 2023 ein uneingeschränktes Testat erteilt, obwohl BayWa im Lagebericht wesentliche Finanzierungsrisiken verschwiegen hatte — darunter Bedingungen eines Milliardenkredits und Refinanzierungsrisiken einer 500-Millionen-Euro-Anleihe. Die BaFin rügte dies offiziell per Bescheid, die staatliche Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas leitete ein berufsaufsichtsrechtliches Verfahren ein.
PwC scheidet jedoch nicht sofort aus. Die Kanzlei wird noch den Jahresabschluss 2025 testieren — ein heikler Übergang, zumal dieser Abschluss wegen der ausstehenden Neubewertung der Energietochter BayWa r.e. erst im vierten Quartal 2026 erwartet wird. Belastbare Zahlen fehlen Anlegern damit noch weit ins laufende Jahr.
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Parallel ermittelt die Staatsanwaltschaft München I wegen des Verdachts der Untreue gegen ehemalige Führungskräfte, darunter Ex-CEO Marcus Pöllinger. Im Januar kam es zu Hausdurchsuchungen. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Die Kanzlei TILP bereitet zudem Schadensersatzklagen für Aktionäre vor, die zwischen Januar 2022 und Januar 2026 Aktien erworben haben.
Das strukturelle Problem bleibt ungelöst
Die juristische Aufarbeitung trifft auf eine weiterhin angespannte Finanzlage. Aus dem Verkauf der Getreidehändlertochter Cefetra fließen bis Ende April noch rund 45 Millionen Euro, ergänzt durch etwa 62 Millionen Euro aus der Rückzahlung von Gesellschafterdarlehen. Durch die Entkonsolidierung sollen die Bankkredite der Gruppe um mehr als 600 Millionen Euro sinken.
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Vom Gesamtsanierungsziel von vier Milliarden Euro hat BayWa bislang erst 1,3 Milliarden Euro gesichert. Der ursprünglich zentrale Baustein — der Verkauf von 51 Prozent der Energietochter BayWa r.e. für bis zu 1,7 Milliarden Euro — ist gescheitert, nachdem die USA Anfang 2025 Fördergelder für erneuerbare Energien strichen und der erzielbare Verkaufspreis wegbrach. Die Jahresprognose für 2026 wurde gestrichen, das EBITDA-Ziel für 2027 auf rund 140 Millionen Euro gesenkt, 1.300 Stellen sollen bis dahin wegfallen.
Der Fortgang der Restrukturierung hängt maßgeblich an den Gläubigerbanken, allen voran DZ Bank und HVB. Ohne deren Zustimmung zur Verlängerung der Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026 fehlt dem Management die operative Basis für den Umbau. Wie tief die Krise bereits ins Bankensystem ausstrahlt, zeigt eine Zahl: Von einem 220-Millionen-Euro-Schuldscheindarlehen haben bayerische Volks- und Raiffeisenbanken im Jahresabschluss 2024 bereits 60 Prozent abgeschrieben.
Die Aktie notiert rund 20 Prozent unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts. Zwei Ereignisse werden über den weiteren Verlauf entscheiden: die Bankeneinigung und der testierte Jahresabschluss — beides frühestens im vierten Quartal 2026.
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