Der Münchener Konzern BayWa steht vor einer der umfassendsten Restrukturierungen seiner Unternehmensgeschichte. Um die finanzielle Tragfähigkeit bis 2030 zu sichern, verlangt das Sanierungskonzept von Gläubigern und Anleiheinhabern drastische Zugeständnisse.

Parallel dazu tragen die beiden Großaktionäre die Neuausrichtung mit. Am Kapitalmarkt spiegelt sich die anhaltende Verunsicherung wider: Die Aktie notiert bei 8,22 Euro und verzeichnet auf Sicht von 30 Tagen ein Minus von 11 Prozent.

Milliardenschwere Einschnitte für Gläubiger

Die geplante Vereinbarung sieht Forderungsverzichte von insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro vor, wie auch das Handelsblatt berichtet. Besonders hart trifft es die Zeichner der 100 Millionen Euro schweren Hybridanleihe. Nach den Plänen sollen die Gläubiger dieser Tranche lediglich 2 Prozent ihres Kapitals zurückerhalten und auf Zinszahlungen verzichten.

Für die Fremdkapitalgeber bedeutet dieser Schritt erhebliche Einbußen. Aus Sicht des Konzerns gilt die Maßnahme jedoch als unumgänglich, um die Bilanz nachhaltig zu entlasten.

Hohe Zustimmungsquote unter Vorbehalt

Die Grundlage für das Sanierungskonzept bildet ein Eckpunktepapier, dem 267 der 268 Finanzierungspartner zugestimmt haben. Diese Gläubiger vertreten zusammen rund 99,98 Prozent der einbezogenen Finanzverbindlichkeiten. Zudem sind die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und die Raiffeisen Agrar Invest AG als Großaktionäre eingebunden.

Trotz des breiten Rückhalts ist der Sanierungsvertrag noch nicht vollständig besiegelt. Die formelle Umsetzung verlangt noch weitere Zwischenschritte. Zudem steht die Zustimmung eines letzten Kreditgebers aus. Laut der Nachrichtenagentur dpa wurde hierbei allerdings eine kurzfristige Einigung erwartet.

Operatives Voranschreiten bei erneuerbaren Energien

Abseits der finanziellen Neuordnung treibt das Unternehmen das operative Projektgeschäft voran. Die Konzerntochter BayWa r.e. hat mit dem Bau des Solarparks Oaklands in South Derbyshire im Vereinigten Königreich begonnen. Die Photovoltaikanlage soll eine Leistung von 150 Megawatt erreichen.

Das Projekt hat als drittes britisches Vorhaben dieser Kategorie die Genehmigungsphase erfolgreich hinter sich gelassen. Für den Konzern ist der Baufortschritt ein wichtiges Signal an den Markt. Er zeigt, dass das Geschäft mit erneuerbaren Energien trotz der finanziellen Restrukturierung fortgeführt wird.