Ein neuer Sanierungsplan soll die BayWa retten. Gläubiger und Eigner haben sich im Grundsatz geeinigt. Doch die Aktie fällt trotzdem weiter.

Am Freitag schloss das Papier bei 10,40 Euro. Das liegt nur noch sieben Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 9,72 Euro. Der Grund für die Nervosität: Die Einigung ist noch keine Lösung. Sie ist erst der Anfang eines langen Prozesses.

Was genau vereinbart wurde

Der Konzern hat die Details per Pflichtmitteilung veröffentlicht. Der Sanierungszeitraum verlängert sich bis 2030. Zusätzlich wandeln die Gläubiger 700 Millionen Euro Verbindlichkeiten in ein Nachranginstrument um.

Wichtig ist der Status dieser Einigung. Es handelt sich um eine Grundsatzvereinbarung. Die Gremien aller beteiligten Parteien müssen noch zustimmen. Zudem fehlen noch viele Details. Der fertige Sanierungsplan soll erst bis Herbst 2026 stehen.

Die entscheidende Kennzahl

Ausgelöst hat die Neuverhandlung ein Problem beim Verkauf der Ökostromtochter BayWa r.e. Ursprünglich rechneten die Beteiligten mit einem Erlös von 1,7 Milliarden Euro. Aktuell kalkulieren sie nur noch mit rund 900 Millionen Euro.

Diese Differenz ist der Kern des Problems. Sinkt der Verkaufserlös weiter, geraten die Annahmen des gesamten Sanierungskonzepts unter Druck. Der Verkauf an einen sogenannten Transformations-Gesellschafter soll in Kürze folgen. Das würde die Ökostromgesellschaft und ihre Schulden aus der BayWa-Bilanz entfernen.

Bullisches Szenario: Politischer Rückhalt und technische Erholungschance

Für eine Stabilisierung spricht zunächst der politische Wille. Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger betonte den Erhalt der BayWa als Partner der Land- und Bauwirtschaft. Das sei „in zentralem Interesse Bayerns“.

Vorstand, Gläubigerbanken und die beiden Hauptaktionäre haben sich nach monatelangen Verhandlungen im Grundsatz geeinigt. Das alte Konzept war wegen der r.e.-Probleme nicht mehr tragfähig. Die neue Einigung schafft zumindest eine Basis für die weiteren Verhandlungen.

Charttechnisch zeigt der RSI von 42,4 einen neutralen Wert. Nach den starken Kursverlusten der vergangenen Wochen bleibt damit Raum für eine technische Gegenbewegung. Überverkauft ist die Aktie noch nicht.

Bärisches Szenario: Verwässerung und Führungsvakuum

Dem stehen erhebliche Risiken für bestehende Aktionäre gegenüber. Die beiden Großaktionäre — die Beteiligungsgesellschaften der bayerischen und österreichischen Genossenschaften — übertragen ihren gemeinsamen Anteil von gut 67 Prozent an einen Treuhänder.

Nur wenn sie 2029 mindestens 220 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung aufbringen, erhalten sie ihre Aktien zurück. Gelingt das nicht, darf der Treuhänder das Paket verkaufen. Genossenschaftspräsident Stefan Müller sprach im Handelsblatt-Interview offen über das Risiko. Die Alternative wäre „ein Totalschaden gewesen“. Die bisherigen Belastungen für den Genossenschaftssektor lägen deutlich unter einer Milliarde Euro. Müssten die Aktien aber eines Tages vollständig abgeschrieben werden, könnte diese Schwelle erreicht werden.

Hinzu kommt ein ungelöstes Führungsproblem. Der CEO-Posten ist aktuell unbesetzt. Müller forderte eine rasche Nachbesetzung. Die künftige Strategie soll sich klar auf Agrarhandel, Landtechnik und Baustoffe konzentrieren — ein Rückzug aus dem Energiegeschäft, der Wachstumsfantasie kostet.

Der Kursverfall der vergangenen zwölf Monate von 51,63 Prozent spiegelt dieses Risiko wider. Auch die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 71,47 Prozent zeigt: Der Markt preist weiterhin erhebliche Unsicherheit ein.

Ausblick: Zwei Bedingungen entscheiden über die nächsten Monate

Hält die Grundsatzeinigung zwischen Banken und Großaktionären, und gelingt der r.e.-Verkauf tatsächlich zeitnah, könnte die Aktie im Bereich des 52-Wochen-Tiefs eine Bodenbildung versuchen. Der 50-Tage-Durchschnitt von 11,94 Euro liegt allerdings noch deutlich darüber. Er markiert eine erste Hürde für eine nachhaltige Erholung.

Kippt dagegen die Zustimmung einzelner Gläubigergremien, oder verschlechtern sich die Konditionen des r.e.-Verkaufs weiter, dürfte sich der Abwärtstrend fortsetzen. Seit Jahresanfang steht bereits ein Minus von 38,10 Prozent zu Buche.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die für Herbst 2026 geplante Finalisierung des neuen Sanierungskonzepts. Bis dahin bleiben zwei Punkte entscheidend zu beobachten: Besetzt die BayWa den offenen CEO-Posten zeitnah? Und klärt sich die Eigentümerstruktur bei der Ökostromtochter wie angekündigt in den kommenden Wochen?