Die BayWa AG steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte. Der Verkauf der Energietochter — Herzstück des Sanierungsplans — ist gescheitert. Die Aktie fiel auf 11,75 Euro, den tiefsten Stand seit einem Jahrzehnt. Jetzt droht ein Schuldenschnitt über eine Milliarde Euro.
Energietochter unverkäuflich
Das alte Sanierungskonzept stand und fiel mit einem Deal: 51 Prozent an der BayWa r.e. sollten für 1,7 Milliarden Euro verkauft werden. Dieser Plan ist tot. Donald Trumps „One Big Beautiful Bill Act“ streicht US-Förderungen für Wind- und Solarprojekte. Die Tochter ist unter diesen Bedingungen unverkäuflich.
Ein neues Konzept soll bis Mitte 2026 stehen. Nach aktuellem Stand funktioniert es nur mit einem Schuldenschnitt. Gläubiger müssten auf rund eine Milliarde Euro verzichten.
Wie ernst die Lage ist, zeigt eine Kennzahl: Die Volks- und Raiffeisenbanken schrieben 2024 ein Schuldscheindarlehen über 220 Millionen Euro um 60 Prozent ab. Zwischen Hauptanteilseignern und Banken schwelt ein heftiger Streit darüber, wer welchen Beitrag trägt.
Quartalszahlen: Umsatz bricht ein
Der Konzernumsatz fiel im ersten Quartal 2026 auf 2,3 Milliarden Euro. Das sind 34 Prozent weniger als im Vorjahr. Bereinigt um Desinvestitionen — darunter der Verkauf der Cefetra Group — bleibt ein Rückgang von 18 Prozent.
Die Belastungen kommen von mehreren Seiten: ungünstige Witterung, schwache Baukonjunktur, geopolitische Spannungen. Der seit Ende Februar laufende Irankonflikt treibt die Preise für Diesel, Düngemittel und petrochemische Produkte. Hinzu kommt die Verunsicherung der Kunden durch die Berichterstattung über BayWa r.e.
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Das bereinigte EBITDA übertraf die internen Sanierungsziele und lag deutlich über dem Vorjahreswert. Konkrete Zahlen zum Ergebnis nennt der Konzernbericht nicht. BayWa begründet dies mit der laufenden Überarbeitung des Sanierungskonzepts.
Schuldenabbau: Ein Drittel des Ziels erreicht
Beim Schuldenabbau hat BayWa bislang 1,3 Milliarden Euro gesichert. Der Cefetra-Verkauf reduzierte die Bankverbindlichkeiten um mehr als 600 Millionen Euro. Zusammen mit den Erlösen aus den Verkäufen von RWA, WHG und EDL. Vom Gesamtziel von vier Milliarden Euro bis 2028 ist das weniger als ein Drittel.
Der nächste große Aktivposten ist die neuseeländische Obsttochter T&G Global. BayWa hält 74 Prozent. Goldman Sachs sucht seit März 2026 nach einem Käufer. T&G erzielte 2024 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar und kehrte mit einem Nettogewinn von 16 Millionen US-Dollar in die Gewinnzone zurück. Der erwartete Erlös liegt bei rund 300 Millionen Euro.
Die Hongkonger Minderheitsaktionärin Joy Wing Mau Group bremst den Prozess aus.
Herbst als Schicksalsgrenze
Bis Herbst 2026 muss BayWa drei Dinge liefern: den testierten Jahresabschluss für 2025, die Zustimmung der Banken zur Verlängerung der Standstill-Vereinbarung und den T&G-Verkauf. Scheitert eines davon, entfällt die Grundlage für den gesamten Umbau.
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Der Jahres- und Konzernabschluss für 2025 kann nicht innerhalb der gesetzlichen und börsenrechtlichen Fristen veröffentlicht werden. Die Veröffentlichung ist nach Abschluss der Überarbeitung des Sanierungskonzepts und nach Vorliegen eines Bestätigungsvermerks des Abschlussprüfers vorgesehen.
Der nächste fest terminierte Datenpunkt ist der vollständige Konzernfinanzbericht 2025 am 30. Oktober 2026.
Juristische Front wächst
Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen die früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger. Es geht um den Verdacht auf Untreue und falsche Darstellung im Jahresabschluss 2023.
Die BaFin rügte BayWa, weil der Lagebericht 2023 wesentliche Details zu einem Milliardenkredit und Refinanzierungsrisiken einer 500-Millionen-Euro-Anleihe verschwieg. Diese Rüge bildet die Grundlage für Schadensersatzklagen der Kanzlei TILP gegen Aktionäre, die zwischen Januar 2022 und Januar 2026 eingestiegen sind. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Aktie auf Zehn-Jahres-Tief
Die Aktie schloss am Freitag bei 11,75 Euro, ein Minus von 6,4 Prozent. Seit Jahresbeginn verlor das Papier fast 30 Prozent. Der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt 26 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 21,50 Euro liegt 45 Prozent entfernt.
Am 30. Oktober folgt der vollständige Konzernfinanzbericht 2025. Bis dahin entscheidet sich, ob BayWa die Herbst-Deadline hält — oder ob der Sanierungsplan endgültig scheitert.
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