Hellweg und BayWa Bau- & Gartenmärkte sind insolvent. Das Amtsgericht Essen genehmigte ein Verfahren in Eigenverwaltung. Für die BayWa AG ist das allerdings nur ein Nebenschauplatz. Der Agrar- und Handelskonzern kämpft an einer viel größeren Front um das eigene Überleben.

Eigenverwaltung für 46 Standorte

Rund 4.000 Beschäftigte bangen um ihre Jobs. Die Geschäftsführung leitet die Baumärkte vorerst eigenständig weiter. Zwei Sanierungsexperten der Kanzlei Görg unterstützen das Management nun. Eine gekündigte Warenkreditversicherung hatte die Liquidität der Baumärkte zuletzt massiv belastet.

Zusätzlich leidet die gesamte Branche unter dem schwachen Konsumklima. Der Einbruch im Wohnungsbau dämpft die Nachfrage nach Baumaterialien stark. Konkurrenten wie Bauhaus schließen bereits erste Standorte.

Die BayWa AG spürt diese Pleite kaum. Die inhabergeführte Hellweg-Gruppe kaufte die Märkte bereits im Jahr 2012. Die verbliebene Beteiligung von 15 Prozent schrieb BayWa schon 2024 vollständig ab. Mieteinnahmen fließen weiter, da Hellweg die Filialen offen halten will.

Zeitgewinn bis Herbst 2026

Die eigentliche Krise des Mutterkonzerns bleibt ungelöst. BayWa einigte sich mit den Banken auf eine Stillhaltevereinbarung. Diese Frist läuft bis Herbst 2026. Bis dahin muss das Management ein tragfähiges Sanierungskonzept vorlegen.

Parallel dazu gibt es Ärger mit den Wirtschaftsprüfern. Die Aufsichtsstelle Apas ermittelt gegen PricewaterhouseCoopers. BayWa schreibt das Prüfermandat deshalb neu aus. Der Aufsichtsrat schlägt KPMG für den Jahresabschluss 2026 vor.

Den Bericht für 2025 kann der Konzern nicht fristgerecht liefern. Das überarbeitete Sanierungskonzept ist zwingende Voraussetzung für das Testat. Die finanzielle Lage bleibt angespannt. Zum Jahresauftakt fiel der Umsatz auf 2,3 Milliarden Euro. Zuvor lag dieser Wert noch bei über drei Milliarden Euro.

Vertrauensverlust an der Börse

Anleger reagieren nervös auf den anhaltenden Umbau. Die BayWa-Aktie notiert aktuell bei 11,05 Euro. Seit Jahresbeginn verlor das Papier damit gut ein Drittel an Wert. Der langfristige Abwärtstrend bleibt intakt.

Auch am Fremdkapitalmarkt schwindet die Zuversicht. Marktberichten zufolge schreiben Gläubiger ihre Schuldscheindarlehen teilweise bereits zu 60 Prozent ab. Ein klares Warnsignal.

Der nächste harte Stichtag fällt in den Herbst 2026. Dann endet die Schonfrist der Banken. Das Management muss bis dahin ein belastbares Konzept präsentieren. Ohne Zugeständnisse von Aktionären und Gläubigern wird die Neuordnung kaum gelingen.