Ein Medienbericht weckt Hoffnungen bei den Aktionären des hochverschuldeten Agrarkonzerns. Angeblich steht eine Einigung mit den finanzierenden Banken kurz bevor. Das trieb den Kurs am Freitag um 6,22 Prozent auf 11,95 Euro nach oben. Offiziell bestätigt ist der Deal allerdings nicht. Im Hintergrund wachsen parallel dazu die operativen Risiken.
Hürdenlauf bis zum Herbst
Bis zum Herbst muss BayWa drei existenzielle Probleme lösen. Der Konzern braucht den Jahresabschluss für 2025. Die Banken müssen ihre Stillhaltevereinbarung verlängern. Als dritte Bedingung fordern die Gläubiger den Verkauf der Tochter T&G. Scheitert ein Baustein, wackelt der gesamte Sanierungsplan.
Goldman Sachs sucht seit März 2026 einen Käufer für die neuseeländische Tochter. BayWa will seinen Anteil von 74 Prozent abgeben. Das Ziel: rund 300 Millionen Euro für die leere Kasse.
T&G arbeitet operativ profitabel. Im Jahr 2025 erzielte die Gruppe einen Nettogewinn von 16 Millionen US-Dollar. Im Vorjahr stand noch ein Verlust in den Büchern.
Ein Minderheitsaktionär aus Hongkong blockiert den Verkauf derzeit. Dieser Stillstand trifft BayWa hart. Bis 2028 will das Management die Schulden um vier Milliarden Euro senken. Bislang decken Verkäufe erst 1,3 Milliarden Euro ab. Ohne den Erlös aus Neuseeland fehlen wichtige Argumente für die Bankengespräche.
Angriff auf das Kerngeschäft
Während das Management verhandelt, wächst der Druck im Agrarhandel. Der Konkurrent Agravis Raiffeisen greift gezielt in Süddeutschland an. Das Unternehmen wirbt Landhandelsgenossenschaften ab und stellt ehemalige BayWa-Mitarbeiter ein. Dieser Wettbewerbsdruck gefährdet das Fundament der Sanierung.
Eine andere Sorge löst sich derweil auf. Viele Investoren trennen nun klarer zwischen der BayWa AG und der insolventen Hellweg-Baumarktkette. Die Bau- und Gartenmärkte nutzen den Namen der Münchner nur als Lizenznehmer. Die Folge: Das operative Geschäft des Agrarkonzerns bleibt von dieser Pleite unberührt.
Lückenhafte Datenlage
Den Wert der Aktie verlässlich einzuschätzen, bleibt schwierig. Den testierten Jahresabschluss für 2025 erwartet das Unternehmen frühestens im vierten Quartal. Für das laufende Jahr übernimmt die Kanzlei KPMG die Prüfung. Auch die Hauptversammlung 2026 verzögert sich. Dort sollen die Aktionäre drei gerichtlich bestellte Aufsichtsratsmitglieder bestätigen.
Der charttechnische Abwärtstrend ist intakt. Seit Jahresbeginn verlor das Papier 28,66 Prozent an Wert. Mit aktuell 11,95 Euro notiert der Kurs knapp unter der 50-Tage-Linie von 12,83 Euro. Das 52-Wochen-Hoch ist weit entfernt.
Der nächste feste Termin im Kalender ist der 30. Oktober 2026. Dann veröffentlicht BayWa den Konzernfinanzbericht für das abgelaufene Jahr. Bis dahin bestimmen die laufenden Bankenverhandlungen und der stockende T&G-Verkauf die Richtung an der Börse.
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