JPMorgan bleibt bei Beiersdorf vorsichtig – aber nicht ohne Hoffnungsschimmer. Nach der Global Beauty Conference der US-Bank hält Analystin Celine Pannuti an der Einstufung „Neutral“ fest, blickt aber bereits über die aktuelle Schwächephase hinaus: Einen echten Turnaround erwartet sie erst für 2027. Das Gespräch mit Vorstandschef Vincent Warnery habe dieses Bild bestätigt.

Pannuti zeichnet für die Beauty-Branche insgesamt ein robusteres Bild als befürchtet. Koreanische Kosmetik gewinnt mit schnellen Produktzyklen global an Marktanteilen, westliche Konzerne ziehen nach. Hinzu kommt ein Trend, der auch für Beiersdorf relevant ist: die zunehmende Verzahnung von Beauty- und Gesundheitsprodukten.

Konsumzurückhaltung trifft Nivea besonders hart

Die Wartezeit bis zum Turnaround passt zur Kursentwicklung der vergangenen Monate. Beiersdorf zählt 2026 zu den schwächeren DAX-Werten – nach enttäuschenden Zahlen im Februar brach die Aktie deutlich ein und blieb seither in einer wackligen Erholungsphase gefangen. Verbraucher greifen verstärkt zu günstigeren Eigenmarken statt zur Kernmarke Nivea, während gestiegene Ölpreise die Kosten für Vorprodukte in der Kosmetikproduktion nach oben treiben.

Charttechnisch zeigt sich die Aktie zuletzt widerstandsfähiger als der Gesamtmarkt. Nach einem Jahrestief bei 76,08 Euro Anfang Juni kletterte der Kurs bis auf 82,94 Euro, bevor er wieder in Richtung der Unterstützung bei 73,84 Euro zurückfiel. Die aktuelle Konsolidierung lässt sich als bullische Flagge lesen – ein Muster, das nach einem vorherigen Anstieg oft eine Fortsetzung nach oben andeutet, aber nicht garantiert.

Bewertung unter langjährigem Mittel

Fundamental hat sich die Ausgangslage für Beiersdorf verändert. Mit einem geschätzten KGV von rund 20 für 2026 notiert die Aktie deutlich unter ihrem Zehnjahresdurchschnitt von knapp 32. Für 2026 rechnen Analysten weiterhin mit einem Gewinnrückgang, für 2027 dann mit einer ersten Erholung der Ertragslage – eine Einschätzung, die sich mit Pannuttis Turnaround-These deckt.

Entscheidend bleibt die 50-Tage-Linie im Chart. Gelingt der Ausbruch darüber, gilt der Bereich um 80 Euro als nächste Marke, an der die Aktie zuvor bereits gescheitert war. Unterhalb von 73,84 Euro würde dagegen der Abwärtsdruck wieder zunehmen, mit den Jahrestiefs bei rund 67 Euro als nächstem Ziel.