Warren Buffett zieht sich zurück. Mit sofortiger Wirkung legt der 96-Jährige den Chairman-Posten bei Berkshire Hathaway nieder, den er seit 1965 innehatte. Sein Sitz im Verwaltungsrat bleibt bestehen — den Vorsitz übernimmt sein Sohn Howard Buffett, wie es der langjährige Nachfolgeplan vorsah.
„Die Zeit gewinnt immer“, schrieb Buffett in seinem Brief an die Aktionäre. „Sie war jedoch großzügig zu mir.“ Die operative Führung liegt bereits seit gut neun Monaten bei Greg Abel, der im vergangenen Jahr als CEO übernahm.
Howard Buffett soll nach den Worten seines Vaters keine operative Rolle spielen, sondern über Kultur und Werte des Konzerns wachen — „eine Richtlinie, die die Aktionäre besitzen und hoffentlich nie in Anspruch nehmen müssen“, so Buffett.
Eine Bilanz ohne Beispiel
Die Zahlen hinter Buffetts Ära sind das eigentliche Vermächtnis. Aus einer maroden Textilfabrik in Neuengland formte er über sechs Jahrzehnte einen Industrie- und Finanzkonzern mit rund 400.000 Mitarbeitern. Unter seiner Führung erzielte Berkshire eine durchschnittliche jährliche Rendite von 19,7 Prozent — nahezu doppelt so viel wie der S&P 500 im selben Zeitraum.
Auch im laufenden Jahr blieb Buffett aktiv im Tagesgeschäft eingebunden. Nach Angaben von CEO Abel kam er weiterhin täglich ins Büro nach Omaha und wurde regelmäßig konsultiert. Im Juli bestätigte Buffett zudem, treibende Kraft hinter der milliardenschweren Beteiligung an Alphabet gewesen zu sein — mittlerweile die drittgrößte Position im Portfolio hinter Apple und American Express.
Druck auf Abel wächst
Die Vorbörse reagierte auf die Personalie kaum, die B-Aktie notierte nahezu unverändert. Anders sieht die Jahresbilanz aus: Während der S&P 500 2026 um mehr als 11 Prozent zulegte, kommt Berkshire bislang nur auf ein Plus von etwa 1 Prozent.
Steigende Ölpreise und die Vorliebe der Anleger für wachstumsstärkere Marktsegmente gelten als Teilerklärung — hinzu kommt die offene Frage, ob Abel das gewaltige Kapitalpolster von 365,5 Milliarden Dollar ähnlich geschickt einsetzen kann wie sein Vorgänger.
Erste Signale gibt es bereits: Im zweiten Quartal erhöhte Abel das Volumen der Aktienrückkäufe auf 4,5 Milliarden Dollar. Buffett selbst zeigte sich in seinem Brief zufrieden mit der bisherigen Amtsführung seines Nachfolgers: „Meine Erwartungen an ihn waren von Anfang an extrem hoch, und er hat sie übertroffen.“
Der Führungswechsel ist damit vollzogen — ob Abel das Rendite-Erbe fortschreiben kann, muss sich an den kommenden Quartalen messen lassen, insbesondere daran, wie er die milliardenschwere Kriegskasse künftig einsetzt.
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