Michael Burry, der legendäre Investor aus „The Big Short“, hat am 8. Dezember 2024 in seinem Newsletter „Cassandra Unchained“ bekannt gegeben, dass er bedeutende Positionen in Fannie Mae und Freddie Mac hält. Der Hedgefonds-Manager rechnet mit erheblichen Kursgewinnen, sollten die beiden Hypothekenfinanzierer durch Börsengänge wieder an die Öffentlichkeit gebracht werden.

Burry erwartet einen IPO-Preis zwischen dem 1- bis 1,25-fachen des Buchwerts. Innerhalb von ein bis zwei Jahren nach der Notierung könnten die Aktien dann beim 1,5- bis 2-fachen des Buchwerts gehandelt werden. Seine Begründung: „Sobald jedes Unternehmen durch seinen Börsengang von Kapitalbeschränkungen befreit wird, erwarte ich eine natürliche Beschleunigung des Wachstums.“

Buffett könnte zuschlagen

Besonders interessant: Burry wäre nicht überrascht, wenn Berkshire Hathaway eine substanzielle Position bei möglichen Börsengängen der beiden Hypothekenfinanzierer übernehmen würde. Diese Einschätzung hat durchaus Hand und Fuß – Berkshire hat in der Vergangenheit bereits in hypothekenbezogene Unternehmen investiert und hielt einst eine Beteiligung an Fannie Mae, die später verkauft wurde.

Die Ausgangslage könnte kaum besser sein: Zum 30. September 2024 verfügt Berkshire über einen Rekordbestand von 381 Milliarden US-Dollar in bar und kurzfristigen US-Staatsanleihen. In den vergangenen zwölf Monaten hat Warren Buffett netto mehr als 184 Milliarden US-Dollar an Aktien abgestoßen – darunter große Positionen in Apple und Bank of America sowie Anteile an Capital One Financial, Citigroup, Nu Holdings, Nucor, DaVita, VeriSign und D.R. Horton.

Systemrelevanz als Trumpf

Burry betont die kritische Rolle von Fannie Mae und Freddie Mac für den US-Immobilienmarkt: Die staatlich geförderten Unternehmen besitzen oder garantieren rund 62 Prozent aller ausstehenden US-Hypotheken und stützen etwa 70 Prozent der konformen Bankkredite.

Beide Gesellschaften wurden vom Kongress geschaffen, um den Wohnungsmarkt durch erschwingliche Hypothekenfinanzierung zu unterstützen. Nach schweren Verlusten während der Finanzkrise 2008 stehen sie seitdem unter bundesstaatlicher Treuhandschaft. Laut einem Reuters-Bericht vom August wird erwartet, dass die Trump-Administration die Börsengänge vorantreiben könnte.

Die Konstellation ist verlockend: Ein Investor mit Burrys Erfolgsbilanz positioniert sich für einen Turnaround, während Berkshire mit einem dreistelligen Milliardenbetrag auf der Suche nach lohnenden Investments ist. Ob Buffett tatsächlich zugreift, wird sich zeigen.